An diesen historischen Schauplatz führt der Roman "Niemandsland" von Rhidian Brook, eine Geschichte über Schuld und Sühne, über Vergebung und Neuanfang.

Die Welt ist nicht Schwarz oder Weiß, und das war sie auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht. Weder gab es nur gute Engländer noch nur schlechte Deutsche, doch für die britischen Besatzer machte diese Haltung den Umgang mit den Erzfeinden und Verlierern des Krieges zunächst einfach. Der britische Autor Rhidian Brook hat aus dieser Situation einen bewegenden Roman gemacht, inspiriert von den Erzählungen seines Großvaters. Walter Brook beschlagnahmte 1946 ein Haus in Hamburg und erlaubte den Eigentümern, weiterhin dort zu wohnen: "So kam es, dass eine deutsche und eine britische Familie fünf Jahre lang miteinander in einem Haus wohnten, ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs." Das klingt aus heutiger Sicht vielleicht edel, doch um zu verstehen, wie außergewöhnlich rühmenswert und zugleich riskant dieses Vorgehen in der damaligen Zeit war, muss man in das Jahr 1946 zurückgehen. Und das tut der Autor so eindrucksvoll, als wäre er dabei gewesen. Sein Protagonist Colonel Lewis Morgan erreicht die zerstörte Hansestadt als Sieger, und eine prächtige Elbvilla wird ihm zugeteilt. Dort wohnt der Architekt Stefan Lubert mit seiner halbwüchsigen Tochter Frieda, als Deutscher verlor er den Krieg, er verlor seine Frau im Bombenhagel, nun verliert er seinen ganzen Besitz: "Er wusste, dass er sein Haus würde aufgeben müssen, eines der prächtigsten an der Elbchaussee, zu dem ein englischer Offizier mittleren Dienstgrads, ausgehungert nach Luxus, nicht Nein sagen würde."