Sie sind ein bisschen wie Harold, einer der fiktiven Charaktere in Brooks Buch. Denn damit dieses wissenschaftliche Thema, das sich auf Forschungsergebnisse von Genetikern, Hirnforschern, Psychologen und Soziologen stützt, nicht zu sachlich daher kommt, veranschaulicht der Journalist und Kolumnist der "New York Times" seine Erkenntnisse am Lebensweg von zwei Menschen: Harold und Erica.

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Vielleicht steckt auch ein bisschen von Erica in Ihnen. Sie kommt aus zerrütteten Verhältnissen mit Migrationshintergrund, ihre Großfamilie spielt zwar eine wichtige Rolle, aber ihrer Ausbildung wird kein besonderer Wert beigemessen. Ericas Kindheit ist freier als die von Harold, denn sie steht nicht unter permanenter Kontrolle, aber ihre Welt ist viel instabiler. Dadurch ist ihr Stresshormon-Pegel höher als der von Kindern aus der Mittelschicht, was sich negativ auf ihr Gedächtnis und ihre Sprachkompetenz auswirkt. Wenn Sie sich in Erica wiederfinden, verzweifeln Sie nicht, denn auch Erica geht ihren Weg.

Die glücklichste Geschichte, die Sie je gelesen haben

Deshalb ist Brooks' Werk, das die Bestsellerliste der "New York Times" stürmte, "die glücklichste Geschichte, die Sie je gelesen haben." Seine Protagonisten zeigen uns, wie wir ein erfülltes Leben führen können, obwohl wir nicht die perfekten Voraussetzungen hatten. Denn im Leben geht es in erster Linie um Empathie und um nicht-kognitive Kompetenzen, also verborgene Eigenschaften wie zum Beispiel Zuverlässigkeit oder Ehrlichkeit.
Um Missverständnissen vorzubeugen: "Das soziale Tier" ist kein weiterer amerikanischer Ratgeber zum Thema "Wie werde ich ganz schnell reich und berühmt". Nein, es geht um persönliche Selbstentfaltung, das eigene Glück und das "innere Ich", das sich möglicherweise mehr nach Harmonie und Verbundenheit sehnt, als nach Prestige und Geld.
David Brooks gibt Einblick in viele interessante Studien und kommt zu der Erkenntnis: Unser Verstand ist unseren Gefühlen unterlegen, Kant und Descartes haben ausgesorgt – die Biologie hat gesiegt. Aber trotzdem, oder genau deshalb, ist "Das soziale Tier" ein optimistisches Buch, mit dessen Hilfe wir die Entscheidungen unseres Lebens und die Gefühle, Intuitionen und Bindungen, auf denen sie beruhen, besser verstehen können.