Wie wirkt sich das Geschichtsverständnis von Machthabern auf ihr Handeln und auf die Zukunft eines Staates aus? "Von Zeit und Macht" gibt überraschende Antworten.

Der Cambridge-Professor Christopher Clark ist einer der renommiertesten Historiker der Welt, sein Buch "Die Schlafwandler", das die Ereignisse rund um den Ausbruch des Ersten Weltkriegs neu bewertet, wurde 2013 zum internationalen Bestseller.
Nun legt Clark mit "Von Zeit und Macht" ein neues Werk vor, auch hier wird deutsche Geschichte beleuchtet, doch diesmal unter einem völlig neuen Aspekt: "Dieses Buch zeigt, was geschieht, wenn zeitliches Bewusstsein durch die Linse der Macht betrachtet wird", erklärt Clark. Für seine Untersuchung widmet er sich dem Wirken und den Beweggründen von drei deutschen Machthabern und einem Regime: Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Preußen, Friedrich der Große, Otto von Bismarck und die Nationalsozialisten.
Die Grundidee ist schlüssig: Wer mächtig ist, verortet sich automatisch in der Zeit, in der er lebt. Er bewertet die Vergangenheit seines Reiches, er entwickelt Visionen für dessen Zukunft, und sein daraus resultierendes Verhalten wirkt sich in dem Moment auf die Gegenwart aus und schreibt Geschichte. "Mich interessiert in erster Linie, wie diejenigen, die Macht ausübten, ihr Auftreten mit Argumenten und Verhaltensmustern rechtfertigten, die eine ganz spezifische temporale Signatur trugen", schreibt Clark und erforscht die Motivation und die sich daraus ergebende Politik seiner Schlüsselfiguren unter dieser Fragestellung.
So wollte der reformfreudige Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Preußen (1620–1688) seinen Staat von den Verstrickungen mit der Tradition lösen, um die Zukunft neu gestalten zu können. Die Schriften Friedrichs II, des selbsternannten "Philosophenkönigs", geben Aufschluss über dessen Vorstellungen von Zeitlosigkeit und Geschichte als zyklische Wiederholung. Bismarck wiederum passte seine Politik den gesellschaftlichen Entwicklungen an, aber versuchte gleichzeitig, die Strukturen des monarchischen Staates zu bewahren, während die Nationalsozialisten ein neues Geschichtsbild mit ihrer Vision vom Tausendjährigen Reich verknüpften, "in der die ferne Zukunft lediglich das erfüllte Versprechen der fernen Vergangenheit war", so Clark.


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