Was wissen wir heute über den Opiumkrieg? Vor der Lektüre von Amitav Ghoshs neuem Roman viel zu wenig, dabei beginnt das moderne Drogenzeitalter – und zugleich das Zeitalter der Globalisierung – damit, das westliche Kaufleute zu Beginn des 19 Jahrhunderts auf die Idee kommen, enorme Mengen Opium nach China einzuführen. China exportiert die begehrten Güter Tee und Seide im großen Stil in den Westen, so dass die Kolonialmächte beginnen, den getrockneten Schlafmohnextrakt namens Opium nach China zu verschiffen, um ihre Handelsbilanz zu verbessern.
Dass die Engländer dem Reich der Mitte damit großen wirtschaftlichen und sozialen Schaden zufügen, weil Millionen von Menschen süchtig werden und daran zugrunde gehen, interessiert niemanden, es geht schließlich um das ganz große Geld. Wir im Westen beurteilen diese Epoche bis heute mit erheblicher Distanz und damit anders als der indische Autor Amitav Ghosh, Historiker und Chronist der Geschichte seines Landes, der seit sechs Jahren an seiner "Ibis"-Trilogie arbeitet. Der erste Teil erschien vor vier Jahren unter dem Titel "Das mohnrote Meer" und führt den Leser nach Kalkutta, wo Mohn angebaut und zu Opium verarbeitet wird. Diese Lektüre ist keine Voraussetzung, um den aktuellen zweiten Teil "Der rauchblaue Fluss" zu genießen, aber vermutlich wird man sie spätestens im Anschluss lesen wollen. Jetzt geht die Geschichte im Jahr 1838 in Kanton weiter und beginnt zugleich neu.