Wie risikokompetent sind Sie? Von welcher Krise haben Sie sich zuletzt verrückt machen lassen – EHEC, Schweinegrippe, Finanzkrise oder Klimawandel? Die ersten beiden Krisen hatten Sie schon wieder vergessen, obwohl sie Sie damals in Panik versetzt haben? So ergeht es den meisten Menschen – und obwohl es uns heute so gut geht wie nie zuvor, nehmen Ängste und Depressionen
zu, sagt Gerd Gigerenzer, Psychologe und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. In seinem neuen Buch "Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft" erklärt er das menschliche Verhalten in Hinblick auf das Risiko und gibt erstaunliche Tipps und Anregungen, wie wir in Zukunft unsere Entscheidungen treffen sollten.
Folgen wir ihm also in die Welt der Ungewissheit! Gigerenzer zitiert in seinem Buch einen Satz von Benjamin Franklin, der an Aktualität bis heute nichts eingebüßt hat: "In dieser Welt ist nichts gewiss außer dem Tod und den Steuern." Doch in der großen Ungewissheit des Lebens sieht Gigerenzer nicht etwa ein Problem, sondern eine Chance und Bereicherung: "Sollte unsere Welt jemals gewiss werden, wäre unser Leben todlangweilig". Es wäre laut Gigerenzer fatal, bei wichtigen Entscheidungen auf sogenannte Experten wie z.B. Ärzte oder Banker zu setzen. Expertenrat ist seiner Meinung nach eher ein Teil des Problems als die Lösung, wie man z. B. an den unsinnigen Warnungen vor der Schweinegrippe sehen kann. In seinem Buch erläutert der Psychologe beispielsweise, warum die meisten Ärzte statistische Analphabeten sind, was gerade in der Krebsvorsorge für falsche Schlüsse sorgt. Außerdem rät er, einen Arzt nie zu fragen, welche Behandlung er empfiehlt, sondern was er tun würde, wenn sein Angehöriger von der entsprechenden Krankheit betroffen wäre.