Kann in einem einzigen Buch alles drinstehen, was man über die Entwicklung des Menschen wissen muss? Ist es möglich, auf gut 500 Seiten zu erläutern, was unsere Spezies alles erschaffen, erdacht und wieder zerstört hat? Ist ein wirklich verständlicher Überblick über die Politik, Gesellschaft und Kultur seit unseren Anfängen überhaupt zu leisten?
Wenn das einer kann, dann der junge Universalhistoriker Yuval Noah Harari, der mit großer Lässigkeit, faszinierendem Wissen und einer guten Portion Humor die Entwicklung der Menschheit beleuchtet. Alles fing so einfach an, schon vor 2,5 Millionen Jahren gab es menschenähnliche Tiere, deren Gehirne im Laufe der Zeit immer größer wurden und deren Gang sich aufrichtete. Ob das alles so sinnvoll war, stellt Harari in Frage, wie so vieles aus der Evolutionsgeschichte, was wir vielleicht einmal gelernt, aber nie hinterfragt haben. Da gab es zum Beispiel die landwirtschaftliche Revolution vor rund 12.000 Jahren: Die Menschen machten sich Pflanzen und Tiere zunutze und wurden sesshaft – doch das bedeutete tägliche harte Arbeit und viel weniger Flexibilität. Wie entspannt lebten dagegen zuvor die Jäger und Sammler und waren obendrein auch noch gesünder! Viele Überraschungen hat Hararis Menschheitsgeschichte zu bieten, die wir überhaupt nur lesen können, weil die Menschen vor 5000 Jahren auf die Idee kamen, Zeichen in Tontafeln zu ritzen, und so die Schrift erfanden. Wer nun glaubt, dass es sich bei den ersten Aufzeichnungen um weise Worten handelte, irrt gewaltig, denn es ging um nichts anderes als um Daten und Zahlen, mit anderen Worten: um das liebe Geld.

Warum sind wir so unzufrieden wie eh und je?

Was hat den Menschen angetrieben, sich immer weiterzuentwickeln und so mächtig zu werden? Warum herrschen bei den Menschen die Männer über die Frauen, obwohl es im Tierreich nicht automatisch so ist? Und warum beschäftigen wir uns überhaupt mit der Vergangenheit, obwohl sie keinerlei Aufschluss über unsere Zukunft gibt?

Harari weiß: "Diejenigen, die eine Epoche am besten kennen – die Menschen, die sie selbst erlebt haben –, verstehen meistens am allerwenigsten, warum die Geschichte diese Wendung nahm und keine andere." Und so geht es uns noch heute, wir wissen nicht, wie unsere Welt in einigen Jahrzehnten aussieht, auch wenn den Geschichtsschreibern von morgen das alles logisch vorkommen wird. Aber wir kennen weder die zukünftige Rolle der USA noch von China, wir haben keine Ahnung, ob der religiöse Fundamentalismus sich weiter ausbreitet oder auflöst, und können nur hoffen, dass die Wirtschaftskrise bald vorbei ist.

Yuval Noah Harari, Professor für Geschichte an der Hebrew University of Jerusalem, unterscheidet sich mit seinen Betrachtungen und Analysen von konventionellen Historikern und kritisiert: "Obwohl sich Geschichtswissenschaftler mit fast jedem erdenklichen Thema beschäftigen, haben sie sich nie gefragt, welchen Einfluss das alles auf das Glück der Menschen hat. Das ist die größte Lücke in der Geschichtsschreibung." Und diese Lücke will er mit seinem Werk schließen, während sein Blick auf den Menschen nicht immer verständnisvoll und optimistisch ausfällt: "Trotz unserer erstaunlichen Leistungen haben wir nach wie vor keine Ahnung, wohin wir eigentlich wollen, und sind so unzufrieden wie eh und je."

Bei der Lektüre von "Eine kurze Geschichte der Menschheit" merkt man von Seite zu Seite, wie sinnvoll es ist, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen. Und was noch viel besser ist: Es macht mit einem so genialen Werk sogar richtig viel Spaß.