Diesmal hat er sich das Mittelalter vorgenommen, denkt man zu Beginn von Robert Harris neuem Roman "Der zweite Schlaf", wo es heißt: "Am späten Nachmittag des neunten Tages im April des Jahres Unseres Auferstandenen Herrn 1468, einem Dienstag, suchte ein einsamer Reiter seinen Weg." Schließlich weiß man, dass der britische Schriftsteller ein Meister darin ist, historische Stoffe mit Fiktion zu vermischen, und dadurch extrem spannende Politthriller erschafft. Doch schon bald zeigt sich, dass der junge Priester Fairfax, der durch eine abgelegene Region Englands reitet, um einen Pfarrer beizusetzen, keine mittelalterliche Figur ist. Zwar liegt eine archaische und von Religiosität und Kargheit geprägte Stimmung in der Luft – aber plötzlich passt etwas nicht in dieses Bild. Fairfax stöbert im Arbeitszimmer des verstorbenen Pfarrers und findet in einer Vitrine Relikte aus vergangenen Zeiten: Gebrauchsgegenstände und Spielzeug aus Plastik sowie "eines jener Geräte, die von den Vorfahren benutzt wurden, um sich auszutauschen". Richtig, der erstaunte Priester hat ein Handy entdeckt: "Auf der Rückseite prangte das endgültige Symbol für die Hybris und Blasphemie der Vorfahren – ein angebissener Apfel."

An dieser Stelle erkennt man den genialen Schachzug des Bestseller-Autors: Das 15. Jahrhundert im Roman ist Teil einer neuen Zeitrechnung, denn der Kalender wurde nach einer großen Katastrophe zurückgesetzt. Unsere Zivilisation mit all ihren technischen Errungenschaften gehört längst der Vergangenheit an, und die Kirche hat die Herrschaft übernommen. Es gilt als Todsünde, das Leben der Vorfahren zu erforschen, doch genau das tut der neugierige Protagonist. Er entdeckt weitere Bücher und Dokumente, er ahnt, dass der Pfarrer nicht eines natürlichen Todes gestorben ist, und gerät selbst in große Gefahr.

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