Zwischen dem Bestseller "Was vom Tage übrig blieb" und dem neuen Roman von Kazuo Ishiguro liegen zehn Jahre. Der Autor war geschockt, als er das feststellte, und hat das Bedürfnis, sich zu rechtfertigen. Denn nachdem er angefangen hatte, "Der begrabene Riese" zu schreiben, gab er seiner Frau die ersten 80 Seiten zum Lesen. Ihr Urteil stand schnell fest: "Es ist fürchterlich!" Wie sollte der weltberühmte Autor, um dessen Stoffe sich die Filmemacher reißen und der für "Was vom Tage übrig blieb", den Booker Prize gewann, darauf reagieren?  

Er folgte dem Rat seiner Frau, begann noch einmal von vorne, lenkte sich dann doch lieber eine Weile mit ganz anderen Projekten ab und schaffte es schließlich, seinen Roman völlig neu aufzuziehen. "Der begrabene Riese" nimmt den Leser mit in die Jahre 480 bis 500 nach Christus, als in Britannien die Römer abzogen und die Angelsachsen das Land noch nicht erobert hatten. Nach zahlreichen Bürgerkriegen ist die Insel verwüstet, und die Menschen müssen sich neu orientieren. Im Mittelpunkt des Romans stehen Axl und Beatrice, sie sind christliche Bretonen, die in ihrer Dorfgemeinschaft nicht mehr erwünscht sind. So lassen sie alles hinter sich und begeben sich auf die Suche nach ihrem Sohn, der viele Jahre zuvor weggezogen ist. Sie fühlen sich wie unter einer Dunstglocke, die ihnen die Erinnerung raubt, auch die an den eigenen Sohn. Über dem ganzen Land scheinen Nebelschwaden zu wabern, die dazu führen, dass die Menschen die schreckliche Vergangenheit vergessen.

Die lange Reise von Axl und Beatrice durch das kaum erschlossene Land ist gefährlich, in den düsteren Wäldern lauern Drachen und Geister, Ritter und geheimnisvolle Mönche, Menschenfresser und Höllenhunde. Und natürlich der begrabene Riese – wer sich dahinter verbirgt, muss der Leser selbst herausfinden.