Der große Tolstoi hingegen war nicht so pragmatisch im Umgang mit Frauen, er übergab seiner 18jährigen Braut vor der Hochzeit sein Tagebuch, in dem er all seine sexuellen Abenteuer aufgeschrieben hatte, und Kaminer kennt die Folgen: "Die nackte Wahrheit der Tagebücher trug dazu bei, dass die Gräfin Sofja eine übertriebene Eifersucht entwickelte, die mit den Jahren zu einer psychischen Erkrankung führte."

Der unangefochtene Lieblingsdichter Kaminers war während seiner Pubertät jedoch Wladimir Majakowski, darum trug Kaminer beim Wettbewerb "Schüler lesen ihren Lieblingsdichter" ein derbes Gedicht von ihm vor. Damit wollte der Siebtklässler im vollbesetzten Festsaal das System kritisieren und das Publikum beschimpfen. Doch der Versuch scheiterte so kläglich wie siegreich: Kaminer gewann für seine Majakowski-Darbietung den ersten Platz und konstatiert rückblickend: "Anscheinend dachte die Führung, was wir nicht bekämpfen können, lassen wir für uns arbeiten."

Es ist ein großes Vergnügen, dieses Buch zu lesen, und immer wieder möchte man innehalten, um die lustigsten Geschichten direkt weiterzuerzählen. Gleichzeitig wird einem bei der Lektüre nicht nur die russische Literatur, sondern auch die Sowjetunion nähergebracht. Plötzlich beginnt man zu verstehen, warum ausgerechnet dieses außergewöhnliche und immer wieder gebeutelte Land so viele bedeutende Schriftsteller hervorgebracht hat – Wladimir Kaminer zum Beispiel.


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