Doch dieses Wien, für das Kandel schwärmt und in dessen Bann er den Leser zieht, ist ein anderes als das, das er 1938 als Neunjähriger verlassen musste, um den Nazis zu entkommen. Seine Faszination für das Erinnern und das Vergessen begründet sich in Kandels Biographie, er erinnert sich genau an das blaue Spielzeugauto, das er zurück lassen musste, als die Familie von der Gestapo abgeholt wurde. Und er weiß, dass er sich so genau daran erinnert, weil die Ereignisse damals emotional sehr bedeutsam für ihn waren. Kandel geht seither der Frage nach, wie Erinnerung funktioniert.

Er studierte Geschichte und Literatur an der Harvard University, danach Medizin an der New York University, um Psychoanalytiker zu werden. Aber es reichte ihm nicht, die psychologischen Vorgänge im Gehirn zu untersuchen, stattdessen wollte er wissen, welche biologischen Prozesse dabei ablaufen, und kam zur Neurobiologie. Kandel hat sein Leben der Erforschung des Gehirns gewidmet und erhielt dafür im Jahr 2000 den Nobelpreis für Medizin. Seine Leidenschaft für die Kunst konnte Kandel jetzt in seinem beeindruckenden Buch mit seinem Lebenswerk verknüpfen. Wie glücklich ihn das macht, spürt man auf jeder Seite.

Er weiß: "Ohne Gedächtnis wären wir nichts. Wir sind, was wir sind, auf Grund dessen, was wir lernen und woran wir uns erinnern". Wer "Das Zeitalter der Erkenntnis" gelesen hat, wird viel lernen, sich gern daran erinnern und die Welt danach mit anderen Augen sehen.