Nina ist "lamsang", wie sie selbst sagt, und wenn Erwachsene sie drängen, doch bitte einen Zahn zuzulegen, entgegnet sie nur: "Keine Hastik!" Alle Eltern kennen dieses Phänomen, denn Kinder haben ein anderes Tempo und ihr eigenes Gefühl für Zeit. Aber Nina ist nicht wie andere Kinder, sie ist behindert und dadurch in ihrer Entwicklung verzögert. "Unser Leben mit Nina fühlte sich tatsächlich so an, als wären wir mit einem Dreirad auf einer Autobahn unterwegs", sagt Wolf Küper, Ninas Vater. Als Nina zur Welt kam, war er ein echter Erfolgsmensch, mit Vollgas auf der Überholspur des Lebens unterwegs. Nach seiner Promotion arbeitete er als Tropenforscher und wurde Gutachter für die Vereinten Nationen. Er steht am Anfang einer internationalen Karriere, als seine vierjährige Tochter Nina zu ihrem gestressten Vater sagt: "Ach Papa, ich wünschte, wir hätten eine Million Minuten. Nur für die ganzen schönen Sachen, weißt du?"
Es war dieser Moment im Kinderzimmer, der Wolf Küper voll erwischte. Plötzlich ging ein Riss durch die Normalität aus Arbeit und noch mehr Arbeit und immer zu wenig Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens – die eigenen Kinder beispielsweise. Küper beginnt, über sein Leben und den Wunsch seiner Tochter nachzudenken. Vielleicht ist es tatsächlich möglich, ihr und sich selbst eine Million Minuten zu schenken? Aber das sind 694 Tage, also etwa zwei Jahre!
Küper traut sich, lässt den Traum zu und legt eine totale Vollbremsung hin. Er kündigt seinen Job, obwohl die meisten seiner Kollegen und Freunde sagen, er würde sich seine Zukunft verbauen.