Diese Frage bewegt nicht nur ganz Schweden, sondern alle Fans von Stieg Larsson, dem mit seinen Büchern ein Welterfolg gelang. Im Jahr 2005 erschien der erste Band der Millennium-Trilogie, die bis heute 82 Millionen Käufer gefunden hat und sowohl in Schweden als auch in Hollywood verfilmt wurde. Den unglaublichen Erfolg seiner Protagonisten Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander durfte Stieg Larsson leider nicht mehr erleben. Tagsüber arbeitete er als Journalist bei einem politischen Magazin, nachts schrieb er an seinen Krimis. Angeblich hatte er seine Manuskripte in einer Plastiktüte zum Verlag getragen – doch dann starb er im November 2004 an den Folgen seines aufreibenden Lebens: Sein Herz versagte.

Nun liegt eine Fortsetzung seiner drei Weltbestseller vor: "Verschwörung". Der Autor heißt David Lagercrantz, doch der Zusatz "nach Stieg Larsson" erklärt schon auf dem Cover, um wessen geistiges Erbe es hier geht. Was steckt dahinter – und was erwartet den Leser?

Der Schwede David Lagercrantz ist ein renommierter Autor, der sich mit seiner Biographie über den Fußballer Zlatan Ibrahimović einen Namen machte. Die Erben und Rechteinhaber von Stieg Larsson wählten ihn aus, um die Trilogie fortzusetzten. Schon für diese Entscheidung gab es Kritik, doch es sei gesagt, dass Larsson selbst insgesamt zehn Bände plante. Natürlich ist es immer eine heikle Sache, das Werk eines anderen Autors fortzusetzen. Doch Lagercrantz nahm seine Aufgabe ernst, er vertiefte sich zunächst intensiv in Larssons Welt und suchte nach Figuren und Handlungssträngen, die weiterentwickelt werden konnten. Darüber hinaus musste er einen Plot erschaffen, um einen spannenden Thriller nach allen Regeln der Larsson-Kunst zu stricken.

Was hätte Larsson gemacht?


Rückblickend sagt Lagercrantz, dass er in dieser Zeit kaum schlafen konnte. Ein enormer Druck lastete auf ihm, schließlich wollte er dem schwedischen Nationalheiligtum Stieg Larsson gerecht werden. Beim Schreiben fragte er sich immer wieder, wie sein Vorgänger und Vorbild es gemacht hätte. Beim Lesen merkt man schnell, dass die Qual sich gelohnt hat – und ein weiterer Meister am Werk war. Im Mittelpunkt steht wieder Michael Blomkvist, der dringend einen Erfolg vorweisen muss. Die Medienkrise macht auch vor seinem Enthüllungsmagazin "Millennium" nicht Halt, und als der Professor Frans Balder ihn um Hilfe bittet, wittert Blomkvist eine große Story. Balder ist Experte für künstliche Intelligenz, ein Internetkonzern und die NSA wollen seine Software – und dann wird er ermordet. Einziger Zeuge ist sein autistischer Sohn – doch wie entlockt man ihm die wertvollen Informationen? Mit von der Partie ist natürlich wieder Lisbeth Salander, der Cyberpunk mit dem riesigen Tattoo auf dem Rücken. In diesem Band steht auch ihre Zwillingsschwester Camilla im Mittelpunkt, die Larsson bereits erdacht hatte. Sie ist so schön wie bösartig, und ein beispielloser Kampf zwischen Gut und Böse beginnt – im Netz und in der Wirklichkeit. Mehr wird nicht verraten, aber wer die drei Millennium-Bände von Larsson gelesen hat, wird den vierten von Lagercrantz nicht nur mögen. Er wird ihn verschlingen.