Es beginnt ganz harmlos. Mit diffusen Beschwerden im Bauch geht Sonia Mikich im Mai 2011 zum Arzt und wird ins Krankenhaus überwiesen. Was sie hat, kann keiner genau feststellen, vielleicht ist es Krebs? Sicherheitshalber operieren, sagen die Ärzte, und Sonia Mikich, die bis zum Sommer 2011 weder ängstlich noch misstrauisch ist, sieht dem gelassen entgegen. Die Ärzte werden schon wissen, was sie tun, denkt sie. Sie wird operiert, und ein Stück des Darms wird ihr entfernt, obwohl bis dahin ein Befund fehlt. Die Operation misslingt, lebensgefährliche Keime breiten sich im Bauch der Patientin aus, und kurze Zeit später liegt sie erneut auf dem OP-Tisch. Nach dem Aufwachen muss sie feststellen, dass man ihr einen künstlichen Darmausgang gelegt hat. "Shit bag" nennt sie ihn und liest interessiert die Bedienungsanleitung, die ihr von Kamasutra abrät. Doch auch Humor kann der Journalistin in dieser Situation nur bedingt helfen, denn ihr Leidensweg ist lange noch nicht zu Ende. Ihre körperlichen Kräfte schwinden, sie verliert immer mehr an Gewicht – und die Ärzte suchen monatelang weiter, stochern in ihr rum, röntgen und schicken sie zum nächsten Kollegen. Erstmals denkt die 61-Jährige über den Rest ihres Lebens nach, über den Countdown bis zum Tod. "Das nennt man wohl den Erfahrungsschatz erweitern", sagt sie heute zynisch.