"Was alles war" ist der fünfte Roman von Annette Mingels – aber vielleicht ist es ihr persönlichster. Im Mittelpunkt steht Susa, eine junge Frau, die als Baby adoptiert wurde und jetzt als erwachsene Frau ihre leibliche Mutter kennenlernt. Wie wird das sein, gibt es so etwas wie die Stimme des Blutes, ist man sich ähnlich oder gar vertraut? Wer ist diese geheimnisvolle Viola, die auf der ganzen Welt zu Hause ist, aber offensichtlich nie zur Ruhe kommt, die mit allen Männern flirtet, drei weitere Kinder zur Adoption freigegeben hat und bekennt: "Ich bin wohl nicht so sehr der Muttertyp". Für Susa ist sie eine Fremde, die ihr mit ihrer Egozentrik schon bald auf die Nerven geht. Außerdem hat sie schon eine Mutter und einen Vater, die sie von der ersten Sekunde an liebten und ihr alle Chancen gaben. 

"Was alles war" stellt wichtige Fragen über Blutsverwandte und Wahlverwandtschaften, über Elternliebe und Familienmodelle. Aber es geht um noch viel mehr, denn Susa ist eine Frau in der Rushhour ihres Lebens: Ihre Karriere als Meeresbiologin könnte jetzt beginnen, sie lernt den Mann ihres Lebens kennen – und dessen Kinder – sie bekommt selbst ein Kind, gleichzeitig erkrankt ihr geliebter (Adoptiv-)Vater schwer. Ach ja, da ist ja noch der Partner, der an seiner Karriere bastelt und dafür Rückendeckung einfordert. Wie soll Susa das alles auf die Reihe kriegen? Ist es zu viel für ein Leben? Nein, es ist die Realität der Frauen von heute, die erfolgreich im Beruf sein wollen und sich spät für Kinder entscheiden. Es passiert alles auf einmal, plötzlich muss man sich um seine Eltern kümmern, um seine Kinder und so viel Zeit wie möglich für die Arbeit aufbringen, um ernst genommen zu werden. Wer wie Susa in dieser Situation auch noch plötzlich seiner leiblichen Mutter sowie zwei erwachsenen Halbbrüdern gegenübersteht und daraufhin versucht, den biologischen Vater ausfindig zu machen, kann schon mal ins Straucheln geraten. Und zu gut kann man verstehen, dass Susa sich plötzlich nur eines wünscht: "Eine Pause vom Leben".