Richard David Precht, Philosoph und Bestseller-Autor, wollte als Kind Zoodirektor werden und begann früh, verschiedene Tiere in seinem Kinderzimmer zu halten – allerdings mit mäßigem Erfolg: "Die Meerschweinchen bekamen Koliken, die Eidechsen lebten nicht lange, und die Fische hausten in zu vielen Arten in einem viel zu kleinen Aquarium."
Der Kindheitstraum verblasste während der Schulzeit, doch Prechts Faszination für Tiere hat nie nachgelassen. Als man in den 90er Jahren begann, über den Umgang mit Tieren nachzudenken und erstmals über Massentierhaltung und Schlachthöfe berichtet wurde, diskutierte Precht mit und schrieb das Buch "Noahs Erbe. Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen". Seitdem ist viel passiert – der Tierschutz wurde im Grundgesetz verankert und laut aktuellen Zahlen gibt es 7,8 Millionen Vegetarier und 900.000 Veganer in Deutschland. Doch die übrig gebliebenen Fleischesser konsumieren heute deutlich mehr Fleisch als vor 20 Jahren, und dieser Nachfrage kommt die Industrie mit riesigen Tierfabriken entgegen, in denen Tiere unter grausamen Bedingungen leben – um qualvoll zu sterben. Da hilft ihnen auch das Grundgesetz nicht.
"Noch nie war die Kluft so groß, die das, was Menschen im Umgang mit Tieren für richtig halten, und das, was tatsächlich praktiziert wird, voneinander trennt", sagt Precht und nahm diese Erkenntnis zum Anlass, sein Buch zu aktualisieren und neu aufzulegen. Jetzt heißt es: "Tiere denken", und seine persönliche Haltung bringt der Autor bereits im ersten Satz zum Ausdruck: "Es gibt zwei Kategorien von Tieren. Die eine glaubt, dass es zwei Kategorien von Tieren gibt, und die andere hat darunter zu leiden."