"Der Vorfall, der ihrer aller Leben veränderte, ereignete sich an einem Samstagnachmittag im Juni, kurz nachdem Michael Turner – in der Annahme, es sei niemand da – das Haus der Nelsons durch die Hintertür betreten hatte." So beginnt der Roman "I saw a Man" des britischen Autors Owen Sheers, der in seiner Heimat als Universalgenie gefeiert wird. Schon im ersten Absatz zieht das Buch den Leser in seinen Bann, und die Spannung steigt von Seite zu Seite: Was passierte an jenem Samstagnachmittag? Was hat Michael Turner gemacht, wer ist das überhaupt, und was hatte er in dem fremden Haus zu suchen?

Der Reihe nach: Michael Turner ist ein Schriftsteller, der versucht, in London ein neues Leben anzufangen. Seine Frau Caroline ist bei Dreharbeiten in Pakistan ums Leben gekommen, und Michael muss die gemeinsame Vergangenheit in Wales hinter sich lassen, um mit seiner Trauer fertig zu werden. Die Nelsons, deren Haus er an jenem verhängnisvollen Samstag betritt, sind seine neuen Nachbarn: Josh, Anlageberater bei den Lehman Brothers, seine Frau Samantha und die zwei bezaubernden Töchter. Michael lernt die Familie kurz nach seinem Einzug kennen und freundet sich erstaunlich schnell mit ihr an. Doch was verbindet den einsamen trauernden Schriftsteller mit der quirligen Familie, die vor allem damit beschäftigt ist, im Alltagsstress nicht unterzugehen? Warum verlässt er das Haus nicht wieder, als er merkt, dass scheinbar niemand zu Hause ist? Michaels Anwesenheit löst eine Folge von Ereignissen aus, und anschließend ist nichts mehr so, wie es war.