Gerade haben wir den 30. Jahrestag des Mauerfalls gefeiert, und bis heute erscheint es wie ein Wunder, dass die Revolution, die am 9. November 1989 ihren Höhepunkt erreichte, so friedlich verlaufen ist. Was waren die Voraussetzungen für diese einschneidende Neuordnung der Welt und wie liefen die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen damals ab? Die deutsch-finnische Historikerin Kristina Spohr ist diesen Fragen nachgegangen, sie ist Helmut-Schmidt-Ehrenprofessorin am Kissinger Center for Global Affairs der Johns Hopkins University in Washington und lehrt internationale Geschichte an der London School of Economics. In ihrem neuen Buch "Wendezeit. Die Neuordnung der Welt nach 1989" beleuchtet sie das Ende des Kalten Kriegs und die Stationen, die zur deutschen Wiedervereinigung geführt haben. Welchen Anteil hatten die damaligen Staatslenker Helmut Kohl, George Bush, Michail Gorbatschow, François Mitterrand und Margaret Thatcher an der friedlichen Neuordnung? Warum wurden die Aufstände in China 1989 blutig niedergeschlagen, während in ostdeutschen Städten friedlich demonstriert werden konnte? Wieso verlief die Entwicklung in der DDR so anders als in Polen und Ungarn? Und welche Folgen hatte der Zusammenbruch des politischen Systems für die gesamte Welt? Für ihr ebenso detailreich wie thesenstark erzähltes Buch hat die Expertin für Geschichte internationaler Beziehungen jahrzehntelang recherchiert, viele Zeitzeugen interviewt und bisher unbekannte Quellen aufgetan: Sie hat sich durch Protokolle, Geheimdienstberichte und Mitschriften damaliger Machtinhaber gearbeitet, sie durfte Tagebuchnotizen und persönliche Briefe lesen und konnte anhand dieser Unterlagen vertrauliche Treffen rekonstruieren. Dadurch gelingt es ihr, die Ereignisse zwischen 1989 und 1992 in eine packende Geschichtsstunde zu verwandeln, die fast einem Thriller gleicht.


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