Kristina Spohr versteht es dabei, auch immer die zwischenmenschlichen Begegnungen und überraschenden Anekdoten zu schildern, die sich am Rande der großen Weltgeschichte ereignet haben. So erzählt sie, wie der damalige Immobilieninvestor Donald Trump im Jahr 1988 in New York einem Gorbatschow-Double begeistert die Hand schüttelt. Oder von dem Moment, als Helmut Kohl am 9. November 1989 in einem Warschauer Bankettsaal erfährt, dass in Berlin die Mauer gefallen ist – was soll er jetzt tun? Fieberhaft denkt der Kanzler darüber nach, wie er so schnell wie möglich aus Warschau wegkommt, ohne seine polnischen Gastgeber zu verprellen, gleichzeitig ärgert er sich darüber, dass ausgerechnet Willy Brandt bereits eine Presseveranstaltung auf der Treppe des Schöneberger Rathauses plant. Die Autorin nimmt ihre Leser auch mit zu prunkvollen Staatsdinnern, bei denen Margaret Thatcher gegen Helmut Kohl stichelt und mit Schimpftiraden und Wutausbrüchen versucht, die Wiedervereinigung aufzuhalten. Vor allem jedoch wird in Kristina Spohrs Rekonstruktion der "Wendezeit" deutlich, wie wichtig der direkte Austausch zwischen den damaligen Staatslenkern war. Ein Austausch, der bei allen Meinungsverschiedenheiten und unterschiedlichen Zielen stets von Vertrauen und dem Wunsch nach internationaler Zusammenarbeit geprägt war. Ohne diese Kooperation wäre die Weltordnung heute eine andere – und vermutlich keine bessere. Gerade diese Analyse stimmt nachdenklich in Hinsicht auf die aktuelle Weltlage. Heute regierenden Staatsoberhäuptern wie Trump und Putin würde man ein solch umsichtiges Vorgehen und solch einen Weitblick kaum mehr zutrauen. So hilft "Wendezeit" nicht nur beim Verständnis der Vergangenheit, die uns bis heute prägt, sondern regt auch zum Nachdenken über aktuelle politische Verhältnisse und die möglichen Folgen an und wird damit zu einem einzigartigen Leseereignis.


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