Wir kennen die USA als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten und glauben, dass es dort jeder vom Tellerwäscher bis zum Millionär schaffen kann. Doch diese Zeiten sind lange vorbei, sagt der linke Ökonom Joseph Stiglitz. Denn ein Prozent an der Spitze der USA besitzt fast die Hälfte des gesamten privaten Vermögens – und die restlichen 99 Prozent müssen den Rest unter sich aufteilen. Dadurch häufen immer weniger Menschen immer größeren Reichtum an, die Zahl der Armen steigt und die Mittelschicht rutscht ab. Den amerikanischen Traum gibt es längst nicht mehr, und die kapitalismuskritische Occupy-Bewegung bringt das Dilemma auf den Punkt mit dem Kampfruf: "Wir sind die 99 Prozent".

Abgesehen von der großen Ungerechtigkeit, die Stiglitz bekämpfen will, erklärt er in seinem Buch die Ursachen, denn: "Die Ungleichheit in den USA ist nicht vom Himmel gefallen. Sie wurde gemacht."
Der Wirtschaftsprofessor belegt, wie das oberste Prozent seine Macht mithilfe von Lobbyismus, den Ausbau von Monopolen und Beeinflussung von Politik und Justiz nutzt, um immer mehr Geld, Macht und Einfluss zu erlangen. Die Gewinner in diesem System sind die Konzerne, Banken und Versicherungen, die das Geld unter sich aufteilen. Wenn sie spenden, dann für den Wahlkampf, um Einfluss auf die Politik zu nehmen: "Wenn eine Interessengruppe zu viel Macht in den Händen hält, dann schafft sie es, eine Politik zu erreichen, die ihr selbst dient und nicht der Gesellschaft als Ganzes."