Heute hier, morgen dort – Seite 1

"Ich musste erst 75 Jahre alt werden, um endlich herauszufinden, dass ein Buch über mich und mein Leben – so, wie es hiermit vorliegt – nur von mir selbst geschrieben werden kann", erklärt  Hannes Wader. Offenherzig, grundehrlich und ungeschönt beginnt der große Liedermacher zu erzählen: Aus seiner Dorfkindheit im Westfälischen, die von der Armut der Nachkriegszeit und von Vernachlässigung geprägt war. In einer Familie, in der der Vater noch in Gefangenschaft war und die Mutter für drei kleine Kinder sorgen musste, hatte keiner Zeit für ein verträumtes Kind. Ein Junge, der nichts besser kennt als das ewige Gefühl, ein Versager und Außenseiter zu sein. Der das Lesen für sich entdeckt, und durch die Lieder, die die Mutter singt, zur Musik findet. Es gibt ein Mandolinenorchester in Hoberge, in dem auch die Schwestern musizieren, bald spielt Wader dort Gitarre, das Instrument, das für ihn zur Eintrittskarte in ein anderes Leben wird. Als er nach seiner Lehre als Schaufensterdekorateur wegen Musizierens während der Arbeitszeit entlassen wird, bewirbt er sich für ein Graphikstudium in Berlin und wird angenommen. "Um zum Wesentlichen zu kommen", schreibt Wader, "ich höre zum ersten Mal Georges Brassens und beginne sofort, selber Lieder zu schreiben." Das Loch unterm Dach ist sein erstes Lied, das er in der Nähe des Café Kranzler auf dem Kudamm vorträgt. Wader verarbeitet in seinen Liedern, was er erlebt – und ahnt nicht, dass er damit genau den Nerv der Zeit trifft.

Wader-Lieder handeln von allen Höhen und Tiefen des Lebens, derselbe Sound zeichnet Waders Buch aus.

"Trotz alledem" hat Wader seine Biographie genannt, und der Titel passt zu einem, der es allen widrigen Umständen zum Trotz immer wieder geschafft hat, seinen Weg zu gehen. Dabei ist er nicht nur sich und seinen Träumen, sondern auch seiner Musik immer treu geblieben. Die Lieder, die Zeit seines Lebens die biographischen Bezüge behalten, sind die perfekten Stützpfeiler dieser Biographie, durch sie taucht der Leser mit Wader in die verschiedenen Lebensphasen ein und vollzieht nach, was zum jeweiligen Zeitpunkt prägend war. 


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Der erste große Auftritt

An seinen ersten großen Auftritt auf dem Burg-Waldeck-Festival 1966 erinnert Wader sich, als sei es gestern gewesen. Aufgeregt und viel zu schnell habe er damals seine Lieder heruntergesungen und gar nicht begriffen, dass die Menge ihm begeistert zujubelte: "Ich bin wie betäubt, werde von einem Gefühl der Panik erfasst, wie ich es noch nie erlebt habe. In das laute Rauschen des Blues in meinen Ohren mischen sich jetzt die schrillen Pfiffe aus dem Publikums und das Johlen aus dreitausend Kehlen klingt für mich mehr nach ‚kreuziget ihn‘ als nach Zustimmung." Waders Selbstzweifel begleiten ihn wie seine Träume, er kann nicht glauben, dass dieser Auftritt sein Durchbruch ist und er plötzlich von Franz-Josef Degenhardt, Knut Kiesewetter und Reinhard Mey als einer der ihren angesehen wird.


Waders Leben, sein Handeln und seine Musik bilden eine Einheit, die auch sein Publikum immer gefühlt hat.

In der Autobiographie unterbrechen immer wieder Waders Liedtexte die Erzählung, und machen auf geniale Weise deutlich, dass das eine ohne das andere nicht zu denken wäre. Waders Leben, sein Handeln und seine Musik bilden eine Einheit, die auch sein Publikum immer gefühlt hat. Das macht Waders Lebensgeschichte zu einer großen Chronik über sieben Jahrzehnte Aufstiegsgeschichte der Bundesrepublik, 68er-Bewegung und Deutscher Herbst, Solidarität mit den Arbeitern und der Kampf für eine gerechtere Welt, die Friedensbewegung, die Wiedervereinigung. Wader-Lieder handeln von allen Höhen und Tiefen des Lebens, derselbe Sound zeichnet Waders Buch aus. Der legendäre Songwriter lässt dabei nichts aus, weder Beziehungsprobleme noch Süchte, nicht den Kampf für seine politischen Ideale noch die schmerzliche Erkenntnis, dass einige davon sich als Illusionen entpuppten. All das macht "Trotz alledem" zu einem so persönlichen wie packenden Zeitzeugnis, das zeigt, wie wichtig es ist, den eigenen Utopien treu zu bleiben  – trotz alledem.


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