Juli Zeh hat aus einem normalen Familienurlaub, einer anstrengenden Radtour und einem dramatischen Déjà-vu einen atemberaubenden neuen Roman gemacht.

"Mit Kindern ist Urlaub eine Episode, in der das Leben noch anstrengender ist als sonst. Man findet keine ruhige Minute, errichtet mit aller Kraft ein Bollwerk gegen Chaos, Langeweile und schlechte Laune." Henning, der Protagonist in Juli Zehs neuem Roman "Neujahr", weiß wovon er spricht. Er ist ein engagierter Vater, der alles richtig machen will. Henning arbeitet halbtags, um sich genauso viel um die beiden Kinder kümmern zu können wie Theresa. Und doch ist es nie genug, er kann es seiner Frau nie ganz Recht machen, fühlt sich zerrissen zwischen Kindern und Karriere und weiß mit sich selbst nichts mehr anzufangen, sobald er allein ist.

Eindrucksvoll beschreibt Zeh, wie die klassische Mütterkrise inzwischen auch das andere Geschlecht erreicht hat, Henning ist ein Mann am Rande des Nervenzusammenbruchs. Ununterbrochen hat er das Gefühl, dass eine Katastrophe über die Familie hereinbricht, er bekommt regelmäßig Panikattacken und kann kaum noch schlafen. Jetzt, im Urlaub auf Lanzarote, soll er seinen Stress auf dem Rennrad abbauen und hastet einen Berg hinauf. Doch anstatt sich freizustrampeln, kommen viel mehr Gefühle ans Tageslicht: Eifersucht auf andere Männer, Hass auf die Schwiegereltern mit ihren Erziehungstipps, Schuldgefühle gegenüber der Mutter, die sich als Alleinerziehende für ihn aufgeopfert hat. Und irgendwann überkommt ihn sogar Hass auf die eigenen Kinder, sein Ein und Alles: "Scheiß-Jonas, Scheiß-Kinder, Scheiß-Familie". Endlich ist es raus – doch das Perfide an diesem brillanten Roman ist, dass die Geschichte hier erst richtig anfängt.


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