Es gibt Sätze, die dürfen in keiner politischen Diskussion fehlen: "Wir müssen die Bürger mitnehmen" ist so einer. Doch in Bezug auf die Energiewende ist das wohl Wunschdenken. Gerade mal Schulnote 4 erhält die Wende im Durchschnitt. Das ist das Ergebnis einer nicht repräsentativen Befragung mit 22.000 Teilnehmern, die im Vorfeld der ZEIT KONFERENZ durchgeführt worden war. Viele politische Großtaten – wie die feste Einspeisevergütung für Strom aus erneuerbaren Energien – kosten zwar Milliarden. Doch unterm Strich steigen die CO2-Emissionen weiter. Konsequenz: Die Ungeduld nimmt zu. Denn ihr eigenes Umweltbewusstsein benoten die Umfrage-Teilnehmer mit einer 2,7.

"Die Ergebnisse dieser Umfrage sind wirklich ein schlechtes Zeugnis", resümierte der Marburger Erziehungswissenschaftler und Experte für Umweltverhalten Udo Kuckartz bei der ZEIT KONFERENZ. In allen Umfragen gäben die Teilnehmer der Umsetzung der Energiewende schlechte Noten – obwohl zwei Drittel von ihnen dem Ziel zustimmen. Viele Bürger scheinen sich zwar Gedanken über zahlreiche kleine Einsparmöglichkeiten zu machen, aber die großen, vermeintlich teureren Investitionen in die Energieeffizienz eher zu scheuen – beispielsweise die Dämmung des Hauses oder die Demontage der Ölheizung und den Einbau eines neuen Gaskessels. "Solange von ›wir‹ und ›man‹ die Rede ist, ist die Zustimmung zur Energiewende sehr hoch", stellt Kritiker Kuckartz fest. "Geht es um das ›ich‹, fällt die Zustimmung sehr schnell ab."