Kunden in die Energiewende begleiten – für Michael G. Feist ist das Alltag. Hannovers Stadtwerke-Chef beobachtet: "Der Verbraucher will die komplette Energiewende, will nicht mehr bezahlen – und das bei gleich bleibender Versorgungssicherheit. "Doch man müsse realistisch sein, sagte Feist bei der ZEIT KONFERENZ Erdgas & Klimaschutz in Berlin: "Es wird Zeit, dass wir ihnen die Wahrheit sagen: Alles geht nicht." Feists Kollege Klaus-Peter Dietmayer, Geschäftsführer von Erdgas Schwaben und den Stadtwerken Augsburg, ist deshalb überzeugt: Kunden brauchen auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz eine bessere Beratung. "Wir müssen einzelne Schritte gehen und können nicht erwarten, dass wir schlagartig im Jahr 2050 sind", sagte Dietmayer.

Einer dieser Schritte führt zwingend in den Heizungskeller. Schafft Deutschland die Wärmewende, wäre das ein Teilerfolg für das Riesenprojekt Energiewende, denn mehr als ein Drittel der CO2-Emissionen werden dem Gebäudesektor zugeordnet. Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel gab dem Thema in einer Gesprächsrunde der ZEIT KONFERENZ hohe Priorität: Wer alte Heizungen rauswerfe, müsse nicht einmal an die Gebäudehülle heran, um etwas für die Umwelt zu tun und langfristig viel Geld zu sparen. Eine Revolution im Heizungskeller ohne finanzielle Anreize? Schwer vorstellbar. Der Grünen-Politiker Remmel fragte deshalb auf dem Berliner Podium: "Warum machen wir keine Abwrackprämie für Heizungen?"

Der Klimaschutz brauche Erdgas, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks bei der ZEIT KONFERENZ in Berlin: Erdgas hat eine wichtige Brückenfunktion.«

Die gerechte Wende für alle ist kein Selbstläufer. Viel mehr noch: Ohne eine Förderpolitik, die sich am Portemonnaie der Bürger orientiert, könnte das Vorhaben, die Emissionen zu reduzieren, möglicherweise ganz ausbleiben. "Die Zustimmung zur Energiewende ist leider eine Frage der sozialen Lage geworden", sagte Timm Kehler von der Brancheninitiative Zukunft Erdgas. Ein erster Schritt in seinen Augen: mehr Aufmerksamkeit für die Einsparpotenziale bei der Wärmeerzeugung. "Die Erdgasheizung hat vielleicht weniger Symbolkraft als die Energiesparlampe – aber wir müssen hinter die Symbole und auf die Wirksamkeit schauen." Im Kampf gegen steigende CO2-Emissionen sei Erdgas ein wichtiger Energieträger der Zukunft, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Es ermögliche die Diversifizierung der Versorgung, denn Erdgas ist verfügbar, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. 

"Erdgas hat zur Stromerzeugung und für den Wärmemarkt eine wichtige Brückenfunktion. "Die Ministerin nannte auch gleich ein Beispiel: Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), also Anlagen, die zu Hause zugleich Strom und Wärme produzieren. In dieser Kombination erzeugen sie für die gleiche Energiemenge deutlich weniger CO2. So werden die Verbraucher von Betroffenen zu aktiven Teilnehmern der Energiewende.