So kompliziert der Name, so wichtig die Gründung des Deutschen Konsortiums für Translationale
Krebsforschung 2012. Denn als Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), der beteiligten Bundesländer und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg soll es als Vermittler zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung Innovationen im Dienst der Patienten befördern. Ein Beispiel für die Effizienz einer solchen Kooperation ist ein neuartiges Diagnoseverfahren bei fortgeschrittenem Prostatakrebs, bei dem das Prostataspezifische Membran-Antigen (PSMA) im Zentrum steht: ein körpereigenes Molekül, das auf der Oberfläche von Prostatakrebszellen um ein Vielfaches verstärkt vorkommt. Es ermöglicht, mittels einer Bildgebung, die an einen radioaktiven Wirkstoff gekoppelt ist, Metastasen im Detail sichtbar zu machen – und befindet sich seit Kurzem in der klinischen Prüfung.

Die bisherige Diagnostik ist für Patienten deshalb belastend, weil man Gewebe entnehmen muss, was mit dem neuen, nicht-invasiven Verfahren seltener nötig ist. Entwickelt wurde das Verfahren in Tandem-Kooperation von einem Wissenschaftler und einem Kliniker: Klaus Kopka, Radiopharmazeut am Deutschen Krebsforschungszentrum, und Frederik Giesel, Oberarzt am Uni-Klinikum Heidelberg. Die Weiterentwicklung dieses Verfahrens verdanke sich zum großen Teil neu geschaffener Infrastrukturen im DKTK, erläutert Kopka. "Der radioaktive Wirkstoff ist sehr kurzlebig und muss daher immer vor Ort in klinischer Qualität für die Patienten hergestellt werden", erklärt er. "Gemeinsam mit den teilnehmenden Zentren haben wir diesen Prozess standardisiert, sodass an allen Standorten dafür die gleichen Bedingungen herrschen. Allein von der Arzneimittelund strahlenschutzrechtlichen Seite ist das ein hochkomplexes Unterfangen, das wir ohne die standortübergreifenden Strukturen nicht so hätten umsetzen können", sagt Klaus Kopka.

Vergleichbare Synergieeffekte lassen sich auch in der personalisierten Krebsmedizin mit molekularen Tumordaten erzielen: So ermöglicht die europaweit größte Einheit für Genom- und Proteinanalysen am DKFZ den Ausbau molekularer Tumorboards. Das Prozedere: Ärzte der Standorte schicken Patientenproben an ein Tumorboard, wo diese sequenziert – und in einer wöchentlichen Videokonferenz ausgewertet werden. Es gab bereits Fälle, in denen auf diese Weise diagnostiziert werden konnte, dass Patienten eine andere Form des Hirntumors hatten als bisher angenommen, und die im Anschluss einer passenden Studie und Behandlung zugeführt werden konnten.


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