Mit Forschungen zu diesem Komplex beschäftigen sich Wissenschaftler der Klinik für Kardiologie (Direktor: Prof. Dr. Dieter Horstkotte) an der Universitätsklinik Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen. Prof. Dr. Olaf Oldenburg leitet hier das größte kardiologisch geführte Schlaflabor Deutschlands. Eine Zusammenfassung:

 

Schlafbezogene Atmungsstörungen können entweder durch eine teilweise oder komplette Einengung der oberen Atemwege (obstruktive Schlafapnoe) oder durch Störungen der Atmungssteuerung (zentrale Schlafapnoe, ZSA) entstehen. Grundsätzlich ist die obstruktive Schlafapnoe (OSA) häufiger. In der Allgemeinbevölkerung liegt diese Häufigkeit (Prävalenz), je nach Alter, Geschlecht und Gewicht bei vier bis acht Prozent. Bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen, und hier insbesondere bei Patienten mit einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz), sind aber auch zentrale Schlafapnoeformen und auch die Cheyne-Stokes Atmung (CSA) häufig anzutreffen. Je nach Schweregrad der Herzleistungsschwäche liegt die Häufigkeit mittelschwerer bis schwerer Formen der Schlafapnoe bei bis zu 50 Prozent. Mit Verschlechterung der Herzfunktion kommt es insbesondere zum häufigeren Auftreten einer ZSA-CSA. 

In der bisher größten Studie über den Zusammenhang von Herzinsuffizienz und schlafbezogenen Atmungsstörungen haben Kardiologen des HDZ NRW, Bad Oeynhausen, in Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Hamburg-Eppendorf erstmals das Sterblichkeitsrisiko bei einer Gruppe von 963 Patienten mit reduzierter linksventrikulärer Auswurffraktion (HF-REF) untersucht*. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass eine mäßige bis schwere Form der periodischen Atmung (Cheyne-Stokes Atmung), vor allem aber die Dauer der nächtlichen Unterversorgung mit Sauerstoff (hypoxemic burden) mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden ist.


Ob und welche Therapien das Sterblichkeitsrisiko dieser Patientengruppe möglicherweise mindern können, hat nunmehr mit einer aktuell auf der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie ausgezeichneten Studie die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Olaf Oldenburg untersucht. Die moderne Gerätetechnik der adaptiven Servoventilation (ASV) kann über eine spezielle Software den Grad der Atmungseinschränkung ermitteln und darauf mit der entsprechenden Luftdosierung reagieren. Die Bad Oeynhausener Wissenschaftler verfolgten die Entwicklung von insgesamt 550 Patienten mit einer deutlichen Herzinsuffizienz auf dem Boden einer systolischen Pumpschwäche (heart failure with reduced left-ventricular ejection fraction, HF-REF) und mindestens mittelschwerer ZSA-CSA über einen Zeitraum von 6,6 Jahren. Bei 224 Patienten wurde die ZSA-CSA mittels ASV therapiert, die übrigen 326 Patienten erhielten keine Beatmungstherapie. Follow-up-Untersuchungen aller Teilnehmer nach drei, sechs, zwölf und 24 Monaten umfassten eine Routinekontrolle einschließlich körperlicher Untersuchung, Laboranalyse des Blutes, Echokardiographie, 6-Minuten-Gehtest und Lungenfunktionstest. Zwar konnte die ASV-Therapie die Schlafapnoe effektiv therapieren und das subjektive Krankheitsempfinden (NYHA Klasse) leicht verbessern, alle objektiven Parameter der Herz- und Lungenleistung änderten sich jedoch nicht. Auch zeigte die ASV-Behandlung der ZSA-CSA bei diesen Patienten keinen Vorteil hinsichtlich der Sterblichkeit.**

Derzeit offen ist die Frage, ob eine Beatmungstherapie bei Patienten mit diastolischer Herzinsuffizienz (HF-PEF) erfolgreicher sein könnte. Bei der diastolischen Herzinsuffizienz liegt eine Funktionsstörung in der Entspannungsphase des Herzens (Diastole) vor. Die Pumpfunktion des Herzens (Systole) ist nicht beeinträchtigt. In der sogenannten CAT-HF-Studie, welche die Bad Oeynhausener Kardiologen am HDZ NRW in Kooperation mit amerikanischen Forschern veröffentlichten, wurden die Herz-Kreislauf-Ergebnisse von 126 stationär aufgenommenen Herzinsuffizienz-Patienten mit moderater bis schwerer Schlafapnoe nach sechsmonatiger Beatmungstherapie untersucht.*** Dabei ergaben sich Anhaltspunkte dafür, dass sich hier eine  ASV-Therapie positiv auf die Herzleistung, die Leistung insgesamt und das Überleben auswirken könnte. Aufgrund der niedrigen Teilnehmerzahl und des begrenzten Untersuchungszeitraums sind jedoch weitere Studien erforderlich, um diese Aussage bestätigen zu können.


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* Olaf Oldenburg et al. Nocturnal Hypoxaemia is associated with increased mortality in stable heart failure patients. In: European Heart Journal (2016) 37, 1695-1703.


** Olaf Oldenburg et al. Adaptive Servoventilation to treat central sleep apnea in heart failure patients with reduced ejection fraction. The Bad Oeynhausen Prospective ASV Registry. Publikation in Vorbereitung.


*** Christopher M. O´Connor et al.Cardiovascular outcome with minute ventilation-targeted adaptive servo-ventilation therapie in heart failure. The CAT-HF Trial. In: Journal of the American College of Cardiology Vol. 69, No.12 (2017), 1577-87