Welche Ausgangsfrage liegt der Studie zugrunde?
Weil die Krankenversorgung heute so viel Raum an Kliniken einnimmt wie nie zuvor, wollten wir wissen: Welche Forschungsmöglichkeiten haben Mediziner noch? Welche Programme existieren bereits, und wie lassen sich zusätzliche Freiräume schaffen?

Und was ist bei der Umsetzung das größte Problem?
In der Finanzierungsstruktur der Krankenhäuser sind Aspekte wie Weiterbildung und Forschung nicht ausreichend abgebildet. Hier sollen strukturierte Programme für Clinical Scientists eine Verbindlichkeit schaffen mit dem Ziel, dass es Curricula nicht nur in der klinischen, sondern auch in der wissenschaftlichen Weiterbildung gibt.

Was beinhalten solche strukturierten Programme?
Es geht um die Festsetzung von Mindestzeiten, etwa von geschützten
Zeiträumen über zwei oder drei Tage in der Woche, oder über einen Block von bis zu einem Jahr, in dem sich Ärzte ganz ihrem
Forschungsprojekt widmen können, ohne übermäßig in der Patientenversorgung eingebunden zu sein.

Wie werden sie als Verband aktiv?
Indem wir gemeinsam Kriterien für solche Programme erarbeiten, potenzielle neue Förderer gewinnen und Fakultäten unterstützen, eigene Programme zu initiieren. Darüber hinaus sind wir mit den Landes-Ärztekammern im Gespräch, damit bestimmte Forschungstätigkeiten auch für die Facharztausbildung anerkannt werden.

Was ist das Überraschendste an der noch nicht veröffentlichten Studie?
Dass fast alle Fakultäten bereits seit ein, zwei Jahren solche Programme anbieten! Allerdings fällt die Finanzierung noch zu gering aus, sodass meist nur ein bis vier Mediziner pro Standort von einer solchen Unterstützung profitieren. Es sollten aber deutlich mehr werden, um ein massives Nachwuchsproblem in der Hochschulmedizin zu vermeiden.

War es in der Vergangenheit einfacher, mit der Doppelbelastung umzugehen?
Ältere Mediziner bestätigen, dass es in Zeiten, als die Arbeitsabläufe noch nicht so verdichtet waren, es mehr Freiräume gab, um Forschung zu integrieren – aber auch, um Zeit für die Familie zu finden. Der Klinikalltag heute ist dagegen so eng getaktet, dass diese Vereinbarkeit kaum noch gegeben ist. Wir brauchen hier strukturelle Veränderungen, um Ärztinnen in der Forschung zu halten.

Und was fordern Sie von der Politik?
Zum einen sollten Bund und Länder solche Programme ebenso finanzieren wie Stiftungen. Zum anderen müssen wir aber auch die Systemfrage stellen: Die derzeitige Finanzierung der Krankenversorgung, die über Fallpauschalen läuft, blendet die Weiterbildung in den Uni-Kliniken aus. Und die Zuschüsse der Länder für die Universitäten sehen keine Mittel für Clinician Scientists-Programme vor. Zurzeit gibt es eine große Finanzierungslücke.


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