"Ist das tatsächlich umsetzbar?" Diese Frage steht für Carmen Scholz über allem. Die Ingenieurin erforscht im Institut für Fahrzeugkonzepte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) innovative Fügetechniken und Werkstoffkonzepte, die den Fahrzeugbau revolutionieren könnten. "Wir machen keine abgehobene Forschung, sondern denken immer an die reale Anwendung und an die Anforderungen der Autofahrer", bekräftigt sie. In ihrem Team untersucht sie die mechanischen Eigenschaften von Verbindungsstellen und testet Bauteile aus neuen Materialien. Den Bereich Korrosionsprüfung hat sie selbst aufgebaut. Carmen Scholz hat Werkstoffwissenschaften studiert und ist direkt danach beim DLR eingestiegen. "In diesem Umfeld habe ich größere Gestaltungsfreiheit als in der Industrie", ist sie überzeugt. Zudem kann sie auf eine hervorragende Infrastruktur zurückgreifen.

Spitze in Forschung und Kommunikation

Das Stuttgarter Institut betreibt hochmoderne Labore und Teststände. Dort macht Carmen Scholz zum Beispiel zerstörende Prüfungen, um die Widerstandsfähigkeit von Materialproben zu analysieren. Außerdem bestimmt sie ihre Alterung unter verschiedenen Umwelteinflüssen. Mehr Zeit als im Labor verbringt die 29-Jährige allerdings an ihrem Rechner. Sie informiert sich etwa über die Ergebnisse anderer Teams, an die sie anknüpfen könnte. Zu ihren Aufgaben gehört auch, Besuchern spannende Einblicke in ihre Arbeit zu geben: Im Labor führt sie regelmäßig praktische Beispiele vor, außerdem hält sie Seminare und Vorträge. "Es macht mir Spaß, Schülern und Studenten, aber auch Spezialisten oder externen Firmen unsere Fragestellungen nahezubringen und sie für die Spitzenforschung zu begeistern", sagt Carmen Scholz. Wie wichtig gute Kommunikation ist, hat sie längst verinnerlicht: "Wenn man eigene Vorhaben oder Ergebnisse nicht verständlich und überzeugend vermitteln kann, landen sie in irgendeiner Schublade."

Foto: J. Eberl

Vielversprechende Ansätze in Serie

Die Forschung von Carmen Scholz gliedert sich in das übergeordnete Projekt "Next Generation Car" ein, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in 16 DLR-Instituten arbeiten. Das Projekt soll wegweisende Konzepte und Technologien für umweltschonende, sichere Straßenfahrzeuge im Zeitraum ab 2030 hervorbringen. Fachübergreifende Teams entwickeln zum Beispiel neuartige Fahrzeugstrukturen, bauen emissionsarme Antriebssysteme und testen verschiedene Automatisierungsfunktionen. Carmen Scholz untersucht die Korrosion von gefügten Strukturen aus metallischen Werkstoffen und Kombinationen von unterschiedlichsten Materialien. Zudem leitet sie das Projekt "PuVerSand". Die Abkürzung steht für "Punktförmiges Verbinden von strukturell tragenden Sandwichstrukturen". Mit diesen Materialien lässt sich viel Gewicht – und damit Kraftstoff – einsparen, weil zwischen dünnen Decklagen aus Metallen oder Faserverbundstoffen extrem leichte Kerne eingebracht werden können. Eine Serienproduktion ist derzeit noch nicht möglich. Um das zu ändern, erforscht Carmen Scholz innovative Fügetechniken und -elemente für diese Werkstoffgruppe. Sie koordiniert die Zusammenarbeit von mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen mit Unternehmen, die Versuchsproben und Anwendungsfälle liefern. Während in der Automobilindustrie häufig nur isolierte Einzelbausteine verändert werden, können Spitzenforscher wie Carmen Scholz im DLR ganz neue Ansätze verfolgen und in längeren Zeiträumen denken: "Wir beschäftigen uns mit Technologien, die noch nicht realisierbar sind, aber enormes Potenzial haben – sie verdienen es, verfolgt zu werden!"

Zurück zur Übersicht