Das Ziel ist ehrgeizig und bisher einzigartig: eine ganze Stadt dreidimensional nachzubauen. Daran arbeitet Andreas Richter mit seinem Team im Institut für Verkehrssystemtechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Forscher wollen im Simulator möglichst realitätsnahe Tests für automatisiertes Fahren ermöglichen. "Auch Testfahrer können nur ein normales Fahrverhalten zeigen, wenn die Simulation sehr gut ist", erklärt der Informatiker. "Bestenfalls vergessen sie, dass sie in einer virtuellen Umgebung unterwegs sind." Der Prototyp ist Braunschweig: Um die Stadt so genau wie möglich abzubilden, erzeugen die Entwickler automatisiert ein komplexes 3D-Modell mit insgesamt 98.000 Häusern, unzähligen Straßenzügen und fast 2.000 Ampelanlagen, die wiederum aus diversen Einzelelementen bestehen. Bis heute werden 3D-Welten in der Regel aufwendig von Hand gebaut. Das Projekt ist deshalb ein Meilenstein auf dem Weg, Fahrsimulatoren effizient mit realen Daten zu füllen.

Foto: Marek Kruszewski

Auf jede Stadt übertragbar

Die Wissenschaftler fusionieren Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Vorzugsweise greifen sie auf vorhandenes Material wie Satellitenbilder oder Katasterdaten zurück. "Wir haben eine hochgradig automatisierte Werkzeugkette und einen einheitlichen ´Digitalen Atlas´ entwickelt, der alle gewonnenen Daten enthält", betont Andreas Richter. Die Werkzeugkette generiert das Straßennetz und die gesamte Umgebung mit allen Informationen, die für die Simulation nötig sind. Die Forscher können 3D-Modelle exportieren und beispielsweise im dynamischen Fahrsimulator des Instituts nutzen. Parallel zur Arbeit am virtuellen Braunschweig entsteht ein Teil von Stuttgart nach dem gleichen Prinzip. Andreas Richter: "Wenn die entsprechenden Geodaten vorliegen, können wir künftig 3D-Modelle jeder beliebigen Stadt oder sogar von ganz Deutschland erzeugen."

Im DLR erforschen rund 8.000 Mitarbeiter/innen innovative Technologien für Luft- und Raumfahrt, Energie, Verkehr und Sicherheit.

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