Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Baden-Württemberg (BW) beteiligen sich mit großem Erfolg an wettbewerblichen Programmen der Forschungsförderung. Dabei treten sie als einzelne Hochschulen oder im Verbund mit Partnern aus Forschung und Wirtschaft auf. Die Forschung der HAW ist dabei an den nationalen und internationalen Forschungs- und Innovationsstrategien ausgerichtet und leistet mit ihrem Erkenntnisgewinn einen wichtigen, konkreten Beitrag zur Innovationsfähigkeit und zur Bewältigung der gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Dabei haben sich schlagkräftige Forschungseinheiten herausgebildet.

Zur Orientierung in der Landschaft braucht man Kompass und Landkarte. Das gilt auch für die Forschungslandschaft der HAW in Baden-Württemberg. Hier ist der Kompass die Blickrichtung auf die Forschungsthemen und die Karte der betrachtete Ausschnitt an Projekten und Verbünden, auf deren Basis sich die Vielfalt an Forschungsthemen der HAW in übergeordneten Forschungsfelder zusammenfassen lässt:


Die Anwendungsorientierung der HAW-Forschung bestimmt die Blickrichtung, denn zur Adressierung gesellschaftlicher Zukunftsaufgaben (Horizon 2020) in den Bereichen Energie und Umwelt, Mobilität, Gesundheit und Kommunikation sind nicht nur fachdisziplinäre Lösungen gefragt, sondern auch die Forschungszusammenarbeit an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen. So hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten an den HAW nicht nur ein breites Spektrum an disziplinären Forschungsschwerpunkten in den Fachgebieten der Ingenieurwissenschaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und der Lebenswissenschaften herausgebildet, sondern auch interdisziplinäre Forschung, die sich "quer" dazu ausrichtet. Während die einzelnen Hochschulen ihre jeweils eigenen forschungsstrategischen Schwerpunkte entwickelt haben, die in der Forschungslandkarte der Hochschulrektorenkonferenz abgebildet werden, fokussiert der hier betrachtete Ausschnitt der HAW-Forschung auf Verbundstrukturen, die in ihrer Gesamtheit fachspezifische und fachübergreifende Forschungsfelder überregional sichtbar machen.

Die hier betrachteten Verbünde sind eine Auswahl an Forschungsprojekten und Projektlinien, die an den HAW in BW etabliert sind: Zentren für angewandte Forschung an Hochschulen, kurz ZAFH, sind Verbundprojekte zur Verstetigung von Forschungsstrukturen in innovativen Kompetenzfeldern. In diesen Zentren kooperieren die HAW mit anderen Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Wirtschaft. Starke Forschungsgruppen und fachliche Schwerpunkte sind auch die Grundlage zur Etablierung kooperativer Promotionskollegs. Diese fördern den wissenschaftlichen Nachwuchs der angewandten Forschung in Zusammenarbeit mit den Universitäten des Landes durch eine strukturierte Promotionsausbildung. Forschungsschwerpunkte im Baden-Württemberg Center of Applied Research, BW-CAR, bündeln die Forschungskompetenzen der HAW thematisch auf Basis einer Qualitätssicherung. Das schafft Synergien für Forschung auf hohem Niveau mit großer fachlicher Breite und disziplinärer Tiefe. Seit 2010 wurden an HAW in BW 11 ZAFH, 18 Promotionskollegs und 7 Forschungsschwerpunkte in BW-CAR eingerichtet.

Breites Fächerspektrum für gesellschaftliche Zukunftsaufgaben

Die Forschung der HAW in BW ist praxisnah und befasst sich daher mit konkreten Problemstellungen aus dem Alltag in Wirtschaft und Gesellschaft: Die Forschung in den Materialwissenschaften und der Produktionstechnik fokussiert dabei auf die Schlüsselrolle neuer Werkstoffe und deren Herstellungs- und Bearbeitungstechnologien für technische Innovationen. In der Systemtechnik, Elektrotechnik und Informatik steht die Erforschung intelligenter Kommunikations- und Informationssysteme in komplexen Umgebungen im Vordergrund. Die Mobilitätsforschung integriert die Materialwissenschaften, die Elektrotechnik, die Informatik und die Wirtschaftswissenschaften für nachhaltige Mobilitätssysteme. Die Energie- und Umweltforschung bearbeitet Fragen der Ressourceneffizienz und Energiesysteme der Zukunft an der Schnittstelle zwischen den Ingenieurwissenschaften und den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, während das Feld der Mensch-Technik-Interaktion die Techniknutzung in sozialen Systemen untersucht. Die Wirtschafts- Sozial und Verhaltenswissenschaften sind an den HAW mit einem breiten Themenkanon aufgestellt. Mit dem gemeinsamen Nenner der empirischen Sozialforschung reicht dieser von medienwissenschaftlichen Fragestellungen über die Geschlechterforschung, Diversitätsforschung, Forschung zum demographischen Wandel, zu Gestaltungsfragen bei gesellschaftlichen Innovationsprozessen bis hin zur Versorgungsforschung und Erforschung effizienter Prozesse im Gesundheitswesen an der Schnittstelle zu den Lebenswissenschaften. In den Lebenswissenschaften liegen die Schwerpunkte zwischen Biotechnologie und Medizintechnik am Überschneidungsbereich zu den Ingenieurwissenschaften.

Eine Vorstellung der Forschungsfelder erfolgt auf den Folgeseiten dieses Artikels.
Eine Übersicht über alle Forschungsfelder findet sich hier.