Die Herausforderungen unserer Zeit sind zu vielschichtig und zu komplex, als dass einzelne Fachdisziplinen allein hinreichende Antworten auf die drängenden Probleme in Technik, Wirtschaft und Gesellschaft geben könnten. Und der gesellschaftliche Diskurs wissenschaftlicher Ideen und Entwicklungen ist sowohl Treiber als auch wichtigster Wegweiser für Innovationen. Eines der Forschungsvorhaben an der Fachhochschule Dortmund, das auf Kooperation verschiedener Fachdisziplinen und auf transdisziplinären Diskurs setzt, ist das Anfang November 2014 gestartete Projekt "QuartiersNETZ ". In dem durch das Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF) geförderten Projekt befassen sich Forschende aus den Fachbereichen Informatik und Angewandte Sozialwissenschaften zusammen mit Partnern aus der Region mit einer hochaktuellen gesellschaftlichen Herausforderung des demografischen Wandels: Wie können ältere Menschen in allen Lebensphasen ihres Älterwerdens am öffentlichen Leben teilnehmen  und so gut wie möglich ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im häuslichen und regionalen Umfeld führen?

Als Lösung entwickelt das Verbundkonsortium mit und für ältere Menschen generationenübergreifende reale und digitale Quartiersnetzwerke, welche die gesellschaftliche Teilhabe dieser Zielgruppen am realen Leben im Wohnumfeld ermöglichen. "Es geht darum, Sorgen, Wünsche und Anregungen der Menschen vor Ort aufzugreifen und Angebote zu schaffen, die Menschen vernetzen, Unterstützung bieten und diese mit Dienstleistern der Region zusammenbringen", betont Projektleiterin Prof. Dr. Sabine Sachweh vom Fachbereich Informatik der Fachhochschule Dortmund. "Wir wollen dabei Lösungen etablieren, die sich selbst tragen, und mit dem Projekt vorhandene Strukturen stärken und ausbauen." Ausgehend von Gelsenkirchen wird das Vorhaben für die gesamte Modellregion Ruhrgebiet konzipiert. Die praxisbewährten Ergebnisse des Projektes sollen bundesweite Strahlkraft gewinnen und später auch von anderen Kommunen übernommen werden. Die Zusammenarbeit zwischen der Fachhochschule Dortmund und der Stadt Gelsenkirchen
besteht seit vielen Jahren. So hat der Dortmunder Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Harald Rüßler bereits 2005 die Entwicklung eines Senioren-Masterplans der Stadt Gelsenkirchen wissenschaftlich begleitet, der bundesweit eine Vorreiterrolle in der Seniorenpolitik einnimmt.

Das groß angelegte Projekt wird unter Leitung der Fachhochschule umgesetzt, die hier unter anderem mit der Universität Vechta, dem Forschungsinstitut Geragogik e. V., der Stadt Gelsenkirchen, dem Regionalverband Ruhr sowie weiteren Partnern aus der Praxis zusammenarbeitet. Die Hauptakteure sind jedoch die älteren Menschen aus der Modellregion Ruhrgebiet. Die Bürgerinnen und Bürger werden über ein innovatives Partizipationsmodell als Koproduzenten in den Prozess der Technikentwicklung einbezogen. Sie sorgen dafür, dass die zu gestaltende digitale Quartiersnetz-Plattform sowie technische Geräte zur Unterstützung des Alltags im Quartier ihren spezifischen Anforderungen entsprechen. Das Partizipationsmodell gibt dem Zusammenwirken von älteren Bürgerinnen und Bürgern, lokaler Dienstleistungswirtschaft sowie Akteuren von Stadt und Verbänden einen Rahmen. Es stärkt die Weiterentwicklung direktdemokratischer Beteiligungsformen und deren Verzahnung mit den kommunalpolitischen Organen im Rahmen einer Bürgerkommune. Um die entwickelten Modelle hier nachhaltig zu verankern, werden Menschen verschiedener Generationen im Rahmen eines Schulungs- und Beratungskonzepts für eine kontinuierliche Erweiterung und Pflege der Quartiersnetzwerke qualifiziert. Unter der
Leitung der Universität Vechta, mit Prof. Dr. Uwe Fachinger als Teilprojektleiter, wird darüber hinaus eine nachhaltige wirtschaftliche Tragfähigkeit durch partizipativ entwickelte Geschäfts- und Finanzierungsmodelle mit sektorübergreifenden Leistungsangeboten gewährleistet.

Das Projekt "QuartiersNETZ" ist in mehrfacher Hinsicht wegweisend. Einerseits wenn es darum geht, ältere Menschen in ihrem Wohnumfeld aus ihrer sozialen Isolation herauszuholen, zu vernetzen und die Nachbarschaft zu stärken. Andererseits ist das Projekt ein
gutes Beispiel für die umsetzungsorientierte, transdisziplinäre Forschung an der Fachhochschule Dortmund. Die Praxistauglichkeit und das hohe Verbreitungspotenzial der Forschungsergebnisse werden in der Regel durch die frühzeitige Einbeziehung zukünftiger Nutzungsgruppen in Forschungsprojekte erreicht, wie zum Beispiel in Prozesse zur Technikentwicklung oder auch in die Gestaltung sozialer Prozesse. So leisten die meisten Forschungsergebnisse einen Beitrag zur Lösung der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Möglich wird dieser Forschungsansatz durch das breite Spektrum der Fachhochschule in den Fachbereichen Architektur, Design, Informations- und Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau, Angewandte Sozialwissenschaften und Wirtschaft. In dieser Fächervielfalt prägen drei übergeordnete Kompetenzbereiche das Forschungsprofil der Hochschule: Intelligente Informations- und Kommunikationssysteme, Effizienztechnologien sowie Soziale und ökonomische Innovationen.

Diese Profilschwerpunkte bilden vielfach die Keimzelle für zukunftsweisende interdisziplinäre Forschungsvorhaben, insbesondere zu Anwendungen der Informationstechnik in den Bereichen Energieversorgung, Logistik, Mobilität, Gesundheitsversorgung, Biomedizin und Produktion. Die Fachhochschule Dortmund ist in ihrer Region mit Akteuren aus Wirtschaft, Verbänden, Kommunen sowie anderen
wissenschaftlichen Institutionen bestens vernetzt. Gleichzeitig pflegt sie ein Netz internationaler Forschungskooperationen. Mit ihrer Arbeit setzt sie wichtige wissenschaftliche Impulse für die Region. Durch die Verbindung von Forschung und Lehre leistet die Fachhochschule Dortmund beides: Sie versorgt die regionale Wirtschaft mit hoch qualifizierten Fachkräften und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs, zum Beispiel durch kooperative Promotionen. Mit interdisziplinärer und umsetzungsorientierter Forschung trägt die Fachhochschule Dortmund zur Modernisierung der regionalen Wirtschaft und zu guten Lebensverhältnissen in der
Region bei. Zukunftsfähige Forschung, das heißt für die Fachhochschule Dortmund: regional verankert mit internationaler Ausrichtung.