Die Biosphäre der Erde ist ein hochkomplexes System. Die Sonne ist der Motor allen Lebens, die Wärme ihrer Strahlung bestimmt grundsätzlich das Klima an jedem Ort unseres Planeten. Aber es gibt weitere natürliche Faktoren, die das Klima beeinflussen: Winde zum Beispiel und die Strömung der Ozeane, schmelzendes Eis in den Polarregionen oder auch Vulkanausbrüche.

Tausende Forscher  auf der ganzen Welt widmen sich täglich unendlichen Datenströmen, die an Abertausenden von Standorten erfasst werden. Mit einer unglaublichen digitalen Rechenleistung werden Klimadaten zu Fakten, die über einen Zeitstrahl betrachtet Entwicklungen widerspiegeln. "Forschung ist eine Aufgabe, die viele Faktoren einbeziehen muss. Letztendlich ist die Rolle von Forschung aber eine im großen Kontext", sagt Professorin Johanna Baehr. Sie forscht als physikalische Ozeanografin an der Universität Hamburg und arbeitet an Klimavorhersagen für Zeiträume von drei Monaten bis zu zehn Jahren.


Erfolgreiche Forschung muss viele Faktoren einbeziehen

"Meine Forschung beschäftigt sich mit den physikalischen Aspekten des Klimas", sagt sie, "aber ich frage mich natürlich auch: Was ist mein Beitrag für politische Entscheidungsträger?" Als politisch interessierte Bürgerin wünsche sie sich fraglos eine Umsetzung der Pariser Klimaziele. "Als Forscherin ist das aber nicht meine Aufgabe, als Forscherin kann ich nicht einfach fordern, alle müssen jetzt das Klima retten!" Viel zu groß seien andere Einflüsse und Interessen.

Über diese diskutieren in dieser Woche nicht nur Politiker und Diplomaten aus 195 Staaten in Bonn bei der UN-Klimakonferenz, der "Conference of the Parties", kurz COP 23, wie die Veranstaltung UN-intern heißt. Unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln treffen sich außer politischen Entscheidern auch Vertreter von 500 Nichtregierungsorganisationen wie Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften und Forschungseinrichtungen, um an der Umsetzung des Pariser Abkommens zu arbeiten. Deutschland hat die Rolle eines technischen Gastgebers. Bei der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris (COP 21) waren als Ziel die Eckpunkte einer Begrenzung der Erderwärmung um unter 2 Grad Celsius beschlossen worden. Jedes Land kann aber selbst über seine Klimaziele und die Maßnahmen zu ihrer Erreichung entscheiden. Gemeinsame Spielregeln sollen für Transparenz und gegenseitige Kontrolle sorgen.

Anfang Juni 2017 verkündete Präsident Donald Trump für die USA den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen. Müssen Wissenschaftler da nicht vor Wut in die Luft gehen? "Mein Beruf ist Forschung, ich mache keine Politik", betont Professorin Baehr. Es gebe eine klare Aufgabenteilung zwischen Forschung und Politik. "Und wenn wir für uns Unabhängigkeit reklamieren, dann muss das selbstverständlich auch umgekehrt gelten."

Den Aussagen Trumps müsse man anerkannte wissenschaftliche Fakten entgegenstellen, betont sie. Für ihren Arbeitsbereich sei die Aufgabe, ein Verständnis für physikalische Erkenntnisse herzustellen, das Thema so plausibel darzustellen, dass auch andere etwas damit anfangen könnten.

"Wir müssen alle mitnehmen"

"Wir müssen alle mitnehmen!" Im Übrigen sei das Verhältnis von Forschung zu Politikern wie Trump Ansporn, die eigenen Methoden ständig weiter zu verbessern, sie immer weiter zu entwickeln.

Ein Anspruch, der für den USPräsidenten offenbar nicht gilt. Und das in einer Zeit, in der unter Wissenschaftlern mehrheitlich unstrittig ist, dass globale Maßnahmen aller Länder notwendig sind, wenn wir den Lebensraum Erde für zukünftige Generationen erhalten wollen.


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