Komplexer Entzündungsprozess

Die Symptome des Asthmas sind bei allen Patienten sehr ähnlich, die biologischen Ursachen können aber äußerst unterschiedlich sein. Die Hälfte aller Asthmatiker ist vom allergischen Asthma des sogenannten TH2-Typs betroffen. Durch Kontakt mit dem Allergen werden Mastzellen aktiviert, die sofort die Atemwege verengen und Luftnot auslösen. Anschließend werden Botenstoffe wie die Interleukine IL-4, -5 und -13 produziert. Sie lösen in der Lunge eine Entzündung aus, indem sie eine andere Klasse spezialisierter Immunzellen, die eosinophilen Granulozyten, anlocken und aktivieren. Auch diese zweite, spätere Reaktion verursacht die typischen Asthma-Symptome. Je nach Schweregrad der Erkrankung werden Arzneien für akute Anfälle eingesetzt oder für die Daueranwendung, um das Risiko von Anfällen zu senken.

Smarte Strategie

Um diese schwerwiegenden Symptome zu lindern, haben DZL-Wissenschaftler gemeinsam mit dem ausgegründeten Unternehmen Sterna Biologicals eine innovative Strategie entwickelt: Angriffsziel ist dabei das sogenannte GATA3, durch das die Kaskade von Interleukinen zu eosinophilen Granulozyten erst wirksam werden kann. Der von seiner Art her vollkommen neuartige Wirkstoff SB010, ein sogenanntes DNAzym, greift in den Bildungsprozess des GATA-3-Proteins ein: Bei diesem wird, wie bei der Bildung eines jeden Eiweißes, das zugehörige Gen abgelesen und dessen Information in eine Ribonukleinsäure (RNS) übersetzt. Diese GATA-3-RNS dient nun als Vorlage für das GATA-3-Protein, das die Antwort des Immunsystems auf Allergieauslöser steuert. Das DNAzym SB010 bindet nun aber an diese GATA-3-RNS und verhindert so, dass das GATA-3-Protein gebildet werden kann. Dies wiederum schwächt die Immunreaktion, die sich sonst in den typischen Asthmasymptomen äußert. Besonders smart an dieser Strategie ist es, dass SB010 zielgenau an die GATA-3-RNS bindet, alle anderen für die korrekte Funktion der Zelle notwendigen Ribonukleinsäuren aber unbeeinflusst lässt.

Erfolgreiche Studie

Über eine erfolgreiche klinische Studie mit 40 Patienten, die an einer milden Form des allergischen Asthmas erkrankt waren, berichtete das viel beachtete New England Journal of Medicine: Studienteilnehmer inhalierten den Wirkstoff SB010 vier Wochen lang einmal täglich. Nach Einatmung einer Allergenprobe unter ärztlicher Aufsicht zeigte sich, dass SB010 – im Unterschied zum Placebo – die Lungenfunktion im frühen Reaktionsstadium um 11 Prozent verbesserte, im späten Stadium sogar um 34 Prozent. Auch die Konzentration von IL-5 im Blutserum nahm deutlich ab. Jetzt stellt sich die Frage, ob das DNAzym SB010 auch bei schwereren Asthmaformen wirksam ist und einen zusätzlichen Nutzen zur bisherigen Standardtherapie mit inhalierbaren Steroiden bietet. Möglicherweise ist SB010 geeignet, wenn jene Medikamente versagen oder nicht ausreichend wirken. Zudem muss überprüft werden, ob bisher nicht beobachtete Nebenwirkungen auftreten.
Durch die Zusammenarbeit von Spezialisten verschiedener Krankheitsgebiete im DZL kann SB010 auch bei anderen Lungenerkrankungen getestet werden. Aktuell läuft eine entsprechende klinische Studie zur Chronisch Obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Da hier ebenfalls eosinophile Granulozyten beteiligt sein können, hoffen die Wissenschaftler, dass das DNAzym auch bei diesen Patienten zu einer Besserung der Symptome führt.


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