Die Lungenentzündung (Pneumonie; hervorgerufen durch Bakterien, Viren oder Pilze) ist die häufigste zum Tode führende Infektionserkrankung weltweit. Lange bekannte Bakterien haben unter dem Selektionsdruck eines breiten Einsatzes von Antibiotika in Krankenhäusern und in der Tierhaltung vielfach Resistenzen entwickelt, und Infektionswellen neu auftretender Viren (neue Influenza-Varianten, MERS/SARS etc.) stellen im Zeitalter hoher Mobilität globale Bedrohungen dar. Das durch bakterielle oder virale Erreger verursachte Akute Lungenversagen (ARDS) ist das führende Problem moderner Intensivmedizin mit immer noch hoher Sterblichkeit. Der jüngste G20-Gipfel in Hamburg hat die Überwindung dieser Bedrohung zu einem globalen politischen Ziel erklärt.

Das DZL untersucht zum einen die strukturellen und immunologischen Abwehrmechanismen der Lunge, welche im Normalfall trotz millionenfachen täglichen Einatmens von Erregern eben eine Pneumonie nicht entstehen lassen, und wie sich diese bei zahlreichen Erkrankungen und im Alter ("Immunseneszenz") verändern. Dieses Verständnis soll in verbesserte Maßnahmen der Prävention von Pneumonien überführt werden. Zum anderen kooperiert das DZL mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung mit dem Ziel, den Antibiotika-Einsatz zum Beispiel im Krankenhaus gezielter und effektiver zu gestalten ("Antibiotic Stewardship") und neue Antibiotika für Pneumonien zu entwickeln.

Es gelang DZL-Forschern zudem, bei der Entschlüsselung der Krankheitsprozesse in der Lunge in eine ganz neue Tiefe molekularen Verständnisses vorzustoßen: Erst der "Missbrauch" körpereigener Signalwege bestimmter Zielzellen für ihre eigenen Zwecke erlaubt es den Erregern, ihre katastrophale zerstörende Wirkung zu entfachen. Die gezielte Hemmung dieses Missbrauchs eröffnet eine neue Dimension der Therapie, die gegenwärtig in weltweit ersten Studien geprüft wird. Deren gezielte Anwendung für den einzelnen Patienten lässt am Horizont die Vision einer "personalisierten" Infektionstherapie aufscheinen. Ist eine schwere Lungenschädigung (ARDS) eingetreten, gehört der Einsatz künstlicher Lungen zu den Maßnahmen, die Überleben und Regeneration des Lungengewebes erlauben.

DZL-Forscher sind international führend in der Weiterentwicklung extrakorporaler und künftig implantierbarer Lungenersatzverfahren, unter anderem unter Nutzung von Hybridtechniken aus künstlichen Membranen und biotechnologisch generiertem Lungengewebe. Und sie untersuchen die Nutzung lungenspezifischer Wachstumsfaktoren und Stammzellen, um die vollständige Regeneration der filigranen Lungenstruktur nach schwerer Pneumonie zu forcieren.


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