Die Architektur des Lungengewebes erfüllt höchst komplexe Aufgaben. Zum einen müssen Blutstrom und Atemluft in Sekundenschnelle an einer hauchdünnen Kontaktmembran, der Oberfläche der Lungenalveolen, einander angenähert werden, um den unmittelbaren Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid zu gewährleisten. Zum anderen muss diese filigrane Struktur ausreichende Stabilität aufweisen, um physikalischem Stress bei maximaler körperlicher Anstrengung zu widerstehen und akute Probleme wie tödliche Einblutung und Flüssigkeitsübertritt (Lungenödem) zu vermeiden. Der chronische Verlust dieser Architektur liegt den großen Krankheitsgruppen des Lungenemphysems  (Verlust von Alveolen), der Lungenfibrosen (Zunahme des Bindegewebes und Vernarbung) und des Lungenhochdrucks (Verdickung und Einengung der Lungengefäße) zugrunde.

Ziel der vernetzten Forschung des DZL ist es, a) die molekularen und zellulären Prozesse, die der komplexen Organentwicklung zugrunde liegen, zu identifizieren, b) die strukturelle Widerstandsfähigkeit der gesunden Lunge gegenüber permanenter Umwelt- und physikalischer Belastung zu verstehen, c) die Krankheitsprozesse bei Emphysem, Fibrose und Lungenhochdruck mit modernsten Techniken molekular zu entschlüsseln, und d) hieraus neue Ansätze zur Prävention und Therapie abzuleiten.

Erfolgreich umgesetzt wurde dieses bereits für den Lungenhochdruck, bis vor Kurzem noch eine rasch tödlich verlaufende Erkrankung, für die jetzt mehrere Therapieverfahren weltweit zugelassen wurden, die mehrheitlich in Arbeitsgruppen des DZL entwickelt wurden. Ebenso waren DZL-Forscher daran beteiligt, erstmals für die schwerwiegendste Form der Lungenfibrose, die "Idiopathische" Pulmonale Fibrose, zwei krankheitslindernde Therapien zu entwickeln.

Vielversprechende tierexperimentelle Studien zum Emphysem zeigen, dass prinzipiell auch in der ausgewachsenen Lunge das Wachstum neuer Lungenalveolen angeregt werden kann, ein Ansatz, der jetzt in erste Studien bei Patienten überführt werden soll. Langfristige Vision des Deutschen Zentrums für Lungenforschung ist es somit, die Baupläne der filigranen Lungenarchitektur so weit zu entschlüsseln, dass hieraus grundlegend neue Verfahren zur Prävention und regenerativen Therapie abgeleitet werden können.


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