Vom Sprengstoff zur innovativen Therapie

Die Pulmonale Hypertonie (PH), auch Lungenhochdruck genannt, ist eine schwere, fortschreitende und lebensbedrohliche Krankheit der Lunge und des Herzens. Der Blutdruck in den Lungenarterien ist deutlich erhöht, was zu Herzversagen und zum Tod führen kann. Es werden fünf verschiedene Formen der PH unterschieden. Das Team um Prof. Ardeschir Ghofrani, Prof. Friedrich Grimminger und Prof. Ralph Schermuly, Koordinatoren des Krankheitsbereichs "Pulmonale Hypertonie" des DZL, hat in Kooperation mit der Bayer AG einen neuartigen medikamentösen Ansatz zur Behandlung zweier lebensbedrohlicher Formen des Lungenhochdrucks, der Pulmonal-arteriellen Hypertonie (PAH) und des Chronisch thromboembolischen Lungenhochdrucks (CTEPH), entwickelt und zur weltweiten Zulassung gebracht  –  für die letztgenannte Ausprägung der PH ist das Arzneimittel aus Deutschland die erste verfügbare medikamentöse Therapie überhaupt.
Die Erforschung des Wirkmechanismus des Medikaments beruht auf einer 130 Jahre alten Therapie mit Nitroglycerin: Initial als Sprengstoff verwendet, wird es bei Angina pectoris eingesetzt. Im Körper setzt es Stickstoffmonoxid (NO) frei, das die Gefäße erweitert und den Blutdruck senkt, aber auch sehr schnell abgebaut wird. NO wird auch vom Körper selbst gebildet. Patienten mit Lungenhochdruck bilden zu wenig NO und der Druck in den Lungenarterien steigt.

Riociguat – erstes wirksames Medikament

Der innovative Wirkstoff dagegen stimuliert direkt ein Enzym namens lösliche Guanylatcyclase (sGC) so, dass es auf das körpereigene NO sensibler reagiert. Medikamente, welche die sGC direkt stimulieren und somit die Wirkung von NO verstärken oder gar ersetzen können, stellen einen grundlegend neuen Therapieansatz für die PH dar. Das neue Medikament mit dem Namen Riociguat ist im März 2014 zugelassen worden und ist inzwischen in mehr als 50 Ländern, darunter in den USA und Japan, verfügbar.
2015 wurden die Wissenschaftler für die Entwicklung vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet. Bei der Entgegennahme der mit 250.000 Euro dotierten Auszeichnung betonten die Forscher, dass die Entwicklung von Riociguat für Patienten mit Pulmonaler Hypertonie, resultierend aus einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Gießener Lungenforschungszentrum und den Wissenschaftlern der Firma Bayer, beispielhaft ist für das Potenzial, welches in strategischen Forschungsallianzen steckt.




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