Verständnis, Diagnostik und Therapie des Lungenkrebses, der häufigsten zum Tode führenden Krebskrankheit weltweit, befinden sich in einem revolutionären Umbruch, an dessen Gestaltung das DZL durch molekulare Grundlagenforschung, experimentelle Modelluntersuchungen und vernetzte Studien in großen Patientenkollektiven wesentlichen Anteil hat. Im Verständnis des Krankheitsgeschehens tritt neben die bisherige Sicht, dass schädigende Einflüsse (Rauchen, Umweltfaktoren, chronische Entzündung) sequentielle Genmutationen induzieren, die dann "autonomes" Wachstum der Krebszellen zur Folge haben, eine weitere Erkenntnis: Der Interaktion dieser Krebszellen mit dem Immunsystem und der spezifischen "Nische" Lunge kommt eine zentrale Bedeutung zu.

Nur durch "Umkehr" der Funktion von Immunzellen der Lunge in tumorunterstützende Zellen und aktive "Umgestaltung" der lokalen Lungenarchitektur in ein "Tumorwachstumsnest" kann es den mutierten Zellen gelingen, ungehindert zu wachsen, Gewebegrenzen zu überwinden und ein tödliches metastasierendes Krankheitsbild zu induzieren.

Neben die klassische Diagnostik der computertomographischen Bildgebung und der Untersuchung von Tumorgewebeproben treten hochsensitive molekulare Verfahren, um in der Ausatemluft (als Kondensat aufgefangen) und im Blut aus winzigen "Fußspuren" des Tumors die tumortreibenden Genmutationen und das molekulare Reaktionsmuster der betroffenen Zellen und des Tumorwachstumsnestes zu entschlüsseln. Diese Verfahren werden Frühdiagnostik, Therapiesteuerung und Erfolgskontrolle nach einer Therapie grundlegend wandeln und in Zukunft möglicherweise mit verbesserten Techniken der "molekularen Bildgebung" kombiniert werden.

In der Therapie treten neben die klassischen Instrumente der Operation, Bestrahlung und Chemotherapie neue "molekulare Werkzeuge": Tyrosinkinase-Hemmer, die Signale für das Tumorwachstum hemmen, und Immun-Checkpoint-Inhibitoren, welche die spezifische Immunantwort gegen die Tumorzellen reaktivieren, haben beeindruckende Ergebnisse bei Lungenkrebspatienten erzielt. Erwartet werden zudem Verfahren, dem Lungenkrebs die notwendige Unterstützung durch das Tumorwachstumsnest in der Lunge zu entziehen. Sie unterbrechen die Abläufe, welche zur Umsetzung der tumorauslösenden Mutationen notwendig sind, oder korrigieren mit molekularen Sonden die Mutationen. Gesteuert durch die molekulare Diagnostik werden alle diese Werkzeuge für den einzelnen Patienten maßgeschneidert eingesetzt.

Am Horizont steht somit die Hoffnung, durch ein solches Arsenal individualisierter Therapiestrategien die gegenwärtig sehr schlechte Lebenserwartung bei Lungenkrebs (18 Prozent in fünf Jahren) grundlegend zu verbessern.


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