Multiresistente Krankheitserreger gefährden nicht nur unsere Gesundheit. Sie werden zunehmend zu einer gesellschaftlichen und ökonomischen Herausforderung. Weltweit nimmt die Zahl dieser Erreger zu; oft werden sie von Tier zu Mensch übertragen und aufgrund wachsender globaler Mobilität verbreiten sie sich immer rascher. An der Universität Greifswald ist der Kampf gegen die Bedrohung zu einem Schwerpunktthema der mikrobiellen Forschung geworden.

Koordinierte Strategien gegen Infektionen sind gefragt

Mit Sorge beobachten viele Menschen den Ausbruch von Infektionskrankheiten bei Tieren, die zwischen Tier und Mensch übertragbar sind. Erinnert sei an die jüngsten Ausbrüche der Geflügelpest, der aviären Influenza oder der pandemischen Influenza H1N1, der Schweinegrippe. Die Herausforderung besteht darin, neu auftretende Erreger schnell zu entdecken und ihre Ausbreitung so rasch wie nur möglich einzudämmen. Verdichtete Tierhaltung, globaler Handel und intensiverer Kontakt zwischen Wild-, Nutz-, Haustier und dem Menschen sind nur einige der Faktoren, die die Ausbreitung neuer Erreger fördern. Es müssen neue diagnostische Verfahren sowie Therapiemöglichkeiten entwickelt werden, um Infektionen in Landwirtschaft und Veterinärmedizin wirksam bekämpfen zu können.

Sehr rasant breiten sich Resistenzen gegenüber Antibiotika aus. Die weltweit zunehmende Mobilität von Menschen und Waren sowie Klimaveränderungen befördern diese Entwicklung. Den damit verbundenen Gefahren muss mit neuen Hygienemaßnahmen und Impfstrategien begegnet und neue Antibiotika entwickelt werden. Ebenso muss sich die Diagnostik verändern. Dies gilt für die Identifizierung der Erreger als auch im zunehmenden Maße für das Erkennen von Resistenzen.

Wissenschaftler der Universität Greifswald stellen sich in Kooperation mit verschiedenen universitären und außeruniversitären Partnern diesen Herausforderungen. Allein im Rahmen der vom BMBF-geförderten InfectControl 2010 Konsortium gibt es mehrere Projekte unter Greifswalder Führung beziehungsweise Greifswalder Beteiligung. Das Ziel von InfectControl 2020 besteht darin, einen umfassenden Verbund aufzubauen, der in der Lage ist, neue Antiinfektionsstrategien zu entwickeln, die Entstehung und Ausbreitung neuer und multiresistenter Keime durch unsachgemäßem Antibiotikaeinsatz, mangelnde Hygiene sowie globalen Menschen- und Güterströmen einzudämmen sowie Strategien umzusetzen, die zu einem verantwortungsbewussteren Umgang mit antimikrobiellen Substanzen führen. Seit kurzem fördert die Exzellenzinitiative des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern die Forschungsverbünde KoInfekt und Cardi-II-Omics, die Entstehung und Verlauf von bisher weitgehend unerforschten bakto-viralen Koinfektionen untersuchen bzw. an der Vermeidung, verbesserten Diagnostik und Therapie von lebensbedrohlichen Infektionen künstlicher Herzklappen arbeiten. Im DFG-geförderten Transregio 34 kooperieren Mikrobiologen und Mediziner aus Greifswald, Münster, Tübingen und Würzburg, um zu einem detaillierten Verständnis der Pathophysiologie von Staphylococcus aureus, einer der häufigsten Erreger krankenhaus-erworbener Infektion, zu gelangen. Sprecherin des Forschungverbundes ist die Greifswalder Immunologin Prof. Barbara Bröker.
Beispielhaft für die Infektionsforschung in Greifswald stellen wir drei Verundprojekte aus InfectControl vor.