Eines Tages erhält er ein äußerst lukratives Angebot. Er soll das Porträt eines reichen Mannes anfertigen. Nach einigem Zögern nimmt er an, und Wataru Menshiki sitzt ihm fortan Modell. Doch der Ich-Erzähler findet nicht zu seiner alten Fertigkeit zurück. Das, was Menshiki ausmacht, kann er nicht erfassen. Wer ist dieser Mann, dessen Bildnis er keine Tiefe verleihen kann?

Haruki Murakami


Durch einen Zufall entdeckt der junge Maler auf dem Dachboden ein meisterhaftes Gemälde. Es trägt den Titel ›Die Ermordung des Commendatore‹. Er ist wie besessen von dem Bild, mit dessen Auffinden zunehmend merkwürdige Dinge um ihn herum geschehen, so als würde sich eine andere Welt öffnen. Mit wem könnte er darüber reden? Da ist keiner außer Menshiki, den er kennt. Soll er sich ihm wirklich anvertrauen? Als er es tut, erkennt der Ich-Erzähler, dass Menshiki einen ungeahnten Einfluss auf sein Leben hat.

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Die Übersetzung

Ursula Gräfe übersetzt seit 2001 Murakamis Bücher. Im Interview mit Elisabeth Zeitler-Boos gibt sie Auskunft über Ihre Arbeit an Murakami-Texten.

Was lieben Sie am meisten an Ihrer Arbeit als Übersetzerin?
Mich intensiv mit Belletristik zu beschäftigen und vielleicht ein bisschen zur Verschönerung der Welt durch sprachliche Maßnahmen beizutragen.

Das Goethe-Institut bezeichnet Übersetzen als "Kulturaustausch". Wie lautet Ihr Anspruch?
Deutschen Lesern Autoren aus fernen Kulturen wie Japan oder Indien so nahe zu bringen, dass sie gefesselt sind. Noch besser, wenn sie genügend Interesse und Sympathie entwickeln, um weitere ähnliche Werke zu lesen.

Was fasziniert Sie an Murakami?
Seine Fähigkeit zu fabulieren und sich Mythen anzuverwandeln sowie die Erkenntnis, dass alles auf der Welt Perspektive ist.

Wie ergründen Sie das Wesen eines Autors, den Sie übersetzen?
Ich finde es hilfreich, das Gesamtwerk des Autors, seine Vorbilder und Einflüsse zu kennen. Zu viel Einblick in seine Biografie dagegen schränkt ein und weckt Vorurteile, die vielleicht hinderlich sind. Die Beschäftigung mit inhaltlichen Themen – wie in seinem neuen Roman "Die Ermordung des Commendatore" u.a. Malerei und Oper – ist ein zusätzlicher Genuss.

Murakami bezeichnet sich als "langsamen Denker", der sich gern Muße gönnt, um sich die Welt zu erklären. Und Sie?
Ein Übersetzer kann sich niemals in dem Maß der Inspiration überlassen wie ein Autor. Meine Aufgabe ist es, einen schon erdachten Text und seinen Tonfall in meine Muttersprache zu bringen. Aber diese Umwandlung findet bei mir, glaube ich, vorwiegend intuitiv statt. Konkret: Die Rohübersetzung mache ich spontan und wie der Wind. So komme ich in Fluss. Für den Feinschliff – Korrektheit plus klingende und schöne Sprache – brauche ich dann ewig.

Wie lange arbeiten Sie an der Übersetzung eines Werks wie Murakamis "Commendatore"?
Das lässt sich nur sehr vage in Stunden ausdrücken: vielleicht 12.000?

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