Bald kommt sie wieder, die für viele Menschen närrische Auszeit von der Normalität. Erleichtert und enthemmt durch Verkleidung und ordentlich Alkohol lernen sich Menschen leichter kennen und kommen sich womöglich näher als sonst. Eine Gefahr für  die Beziehung?

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Emnid sieht die Mehrheit der Deutschen den Karneval nicht als Argument für Seitensprünge: 83 Prozent aller Befragten über 14 Jahre würden ein Fremdgehen im Karneval nicht eher tolerieren als außerhalb der tollen Tage, lediglich 13 Prozent der Frauen und 12 Prozent der Männer sagten, sie seien zur närrischen Zeit toleranter.

Interessant hierbei: Die Quote der Tolerierenden ist bei den älteren Befragten (60 Jahre plus) und den Geringverdienern (weniger als 1000 Euro netto/Monat) ca. doppelt so hoch. Auch steigt die Nachfrage nach Paartherapien in der Zeit um und nach Karneval massiv an.

Im Coaching für PARSHIP wurde ich in der letzten Woche von einer Anruferin gefragt, was sie konkret tun kann, um mit ihrer Eifersucht besser klarzukommen – ihr Partner wolle alleine mit seinen Freunden losziehen und sie habe Angst, dass er fremdgeht.

Ich riet Ihr sinngemäß Folgendes: Zunächst ist es wichtig, in einer Partnerschaft – ganz egal ob zur Karnevalszeit oder nicht – über das Thema „Treue und Fremdgehen“ zu sprechen: was bedeutet für mich Treue, wann beginnt das Fremdgehen? Reicht schon ein Kuss zum Vertrauensbruch oder muss mehr passiert sein? Hier liegt viel Konfliktpotenzial, da die Vorstellungen in dieser Hinsicht unter Umständen relativ weit auseinanderliegen können.

Doch: Extreme Unterschiede im Treueverständnis innerhalb einer Paarbeziehung können in einem konstruktiven Sinne dazu verwendet werden, über bislang nicht geäußerte Wünsche oder Vorlieben zu sprechen – nicht kommuniziert sind diese aber wesentlicher Antrieb eines Seitensprunges. In einem nächsten Schritt sollten dann beide Partner gemeinsam einen Kompromiss aushandeln, der für jeden akzeptabel ist.

Auf das spätere Beziehungsleben negativ wirken sich erfahrungsgemäß Zugeständnisse aus, hinter denen der eine oder andere nicht wirklich stehen kann. Die Kölner Diplompsychologin und Psychotherapeutin Gerhild von Müller sieht hierbei die Kunst darin, zwischen Sicherheit und erotischer Spannung einen Weg zu finden, der für beide akzeptabel sei. Offen und ehrlich kommuniziert, können so auch Paare getrennt feiern und der Karneval muss nicht zur Belastungsprobe für die Beziehung werden.

Weitere Fragen an den Singlecoach Markus Ernst finden Sie hier!