Die letzte Nacht hat sich wieder einmal ins Unendliche gezogen. Aber weder haben Sie ausgiebig Ihrer Lebenslust auf einer Tanzfläche Ausdruck verliehen, noch hat ein attraktiver Mann Sie Ihres Schlafes beraubt oder eine flüchtige Frauenbekanntschaft Sie atemlos gemacht. Es war eine dieser Nächte, die sich aus unerklärlichen Gründen in Wach- und Schlafphasen aufteilen wie ein löchriger Käse. Vielleicht Vollmond, vielleicht eine plötzlich aktive Wasserader oder aber Ihr Unterbewusstsein, das die Probleme zu lösen versucht hat, mit denen Sie am Tage überfordert waren.

Als Sie am Morgen in den Spiegel schauen, blickt Ihnen aus dunklen Löchern der stumpfe Blick eines Fremden entgegen. Um viele Jahre gealtert, die Haut brüchig und grau wie Esspapier - ja, attraktiv ist wirklich etwas anderes. Das Schlimmste aber: Sie haben am Abend ein Date. In der Situation vor dem Spiegel wohl alles andere als vorstellbar. Und wenn es nach einer skandinavischen Studie geht, sollten Sie sich auch schleunigst etwas einfallen lassen, um dieses Treffen zu vermeiden. Denn wenn Sie bei Ihrer Verabredung wirklich punkten wollen, lassen Sie sich eines gesagt sein: Übermüdung lässt sich nur schlecht kaschieren. Die schwedischen Forscher fanden heraus, dass der Mensch die Anzeichen von Schlafmangel in einem anderen Gesicht sofort erkennt - und ein müdes Gesicht nicht nur als unattraktiv einstuft, sondern auch als ungesund.

Ziel dieser Studie war es, den Effekt der Schlafdauer auf die Attraktivität des Menschen zu untersuchen. Dabei fotografierten die Forscher vom Karolinska Institutet in Stockholm 23 Teilnehmer im Alter von 18 bis 31 Jahren - und zwar in verschiedenen Zuständen. In einer ersten Phase mussten die Probanden mit mindestens acht Stunden Schlaf zum Fototermin erscheinen. In einer weiteren Phase durften sie in zwei aufeinander folgenden Nächten nur fünf Stunden und in der Nacht direkt vor dem Termin gar nicht schlafen.

Die entstandenen Aufnahmen, auf denen alle Teilnehmer ungeschminkt und mit möglichst neutralem Blick in die Kamera schauen, wurden danach 65 Testpersonen gezeigt - und zwar jedes Bild nur sechs Sekunden lang. In einer anschließenden Befragung gaben die Testpersonen dann an, für wie gesund, attraktiv und ausgeschlafen sie die jeweils abgebildete Person hielten.

Das ernüchternde Ergebnis: Im unausgeschlafenen Zustand bekamen die Probanden deutlich geringere Wertungen im Bezug auf die drei untersuchten Aspekte, als nach einer Nacht mit acht Stunden Schlaf. Als Grund für diesen Zusammenhang sehen die Forscher die Tatsache, dass der Zusammenhang zwischen Schlafmangel und schlechter Gesundheit ebenso als erwiesen gilt, wie die Verbindung von Gesundheit und Attraktivität eines Menschen. Bis zum Fazit, dass ein übermüdeter Mensch folglich als unattraktiv empfunden wird, ist es also nur noch ein kausaler Katzensprung.

Aber seien Sie beruhigt - das heutige Date fällt vielleicht ins Wasser, aber etwas Tröstliches hat die Studie doch: Der Geist im Spiegel ist kein Dauerzustand. Es mangelt Ihnen weder an Jugend noch an den richtigen Genen, sondern einfach nur an gutem Schlaf. Das Wort 'Schönheitsschlaf' kommt ja schließlich auch nicht von ungefähr. Und ganz ehrlich: Auch mit Charakter lässt sich schwer punkten, wenn Sie unausgeschlafen und mürrisch sind. Wer ständig gähnt oder im Kino einschläft gibt seinem Gegenüber nicht gerade das Gefühl, interessant und begehrenswert zu sein. Also: Date verschieben und die ganze Sache noch mal überschlafen!

Von Lea-Patricia Kurz