Streiten soll ja bekanntlich sehr gesund sein, doch ist es wie mit dem Glas Wein gegen den Herzinfarkt: Alles in Maßen! Aber wie funktionieren eigentlich Kompromisse und wieso sind sie für eine Beziehung so wichtig?

Wo zwei Menschen aufeinander treffen, prallen auch immer verschiedene Bedürfnisse aufeinander. Hat man noch am Anfang verliebt und mit einem Leuchten in den Augen "Ja und Amen" zu allem gesagt, was das Herzblatt vorschlug, verlangen mit der Zeit die eigenen Wünsche und Bedürfnisse wieder nach mehr Aufmerksamkeit. Und hier kommen die Kompromisse ins Spiel. Sind sie "gut" gemacht, fühlen sich am Ende beide wie Gewinner, sind sie "faul", ist meist einer zu kurz gekommen und fühlt sich übergangen. Wollen Sie also Ihren Alltag mit Ihrem Partner teilen und den Rest des Lebensweges gemeinsam gehen, kommen Sie nicht umhin, die Kunst der Kompromissfindung zu erlernen. Denn ein Kompromiss ist nicht einfach nur das Einigen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Wer eine wirkliche Einigung anstrebt, muss vor allem auf drei Punkte achten:

Worum geht es eigentlich?
Was genau ist eigentlich der Streitpunkt? Geht es um eine Uneinigkeit im wöchentlichen Speiseplan, die Frage, welchen Kino-Film Sie sich anschauen oder ob das neue Sofa blau oder gelb sein soll?

Wirklich unterscheiden muss man hier nämlich die grundsätzlichen von den alltäglichen Kompromissen. Ob Sie also sonntags mit zu Kaffee und Kuchen zu Ihrer Schwiegermutter möchten oder lieber zum Brunch zu Freunden, ist eine völlig andere Frage, als die, ob Sie Kinder wollen oder nicht. Und nach der Art der Frage entscheidet sich auch der Umgang mit ihr.

Wenn Sie sich klar gemacht haben, welchen Wert die Entscheidung für ihr eigenes Leben hat, dann können Sie auch besser einschätzen, wie viel Sie nachgeben können beziehungsweise wie sehr Sie auf der Durchsetzung beharren wollen.

Woher kommt mein Standpunkt?

Von dem "Worum" ist auch das "Warum" abhängig. Warum regt sich in Ihnen Widerstand bei dem Gedanken, dass Ihre Liebste einen Frauen-Urlaub in Kroatien verbringt? Und was genau stört Sie an dem wöchentlichen Skat-Abend Ihres Partners? Sind es Sorgen oder schlechte Erfahrungen oder einfach nur Besitzansprüche, also Eifersucht?

Auch der Frage, warum man nachgibt, obwohl man schon im selben Moment weiß, dass man sich nachher in den Allerwertesten beißt, sollte auf den Grund gegangen werden. Denn ein zu großes Harmoniebedürfnis kann dazu führen, dass Sie schneller nachgeben, als Ihnen eigentlich lieb ist. Und auch das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders.

Der eigene Mittelweg
Wer immer nachgibt um den Frieden einer Beziehung zu wahren oder um dem Partner eine Freude zu machen, der landet schnell auf dem Weg in Richtung Selbstaufgabe. Jeder Mensch hat Bedürfnisse, Wünsche und Träume. Sich stets anzupassen, ist tatsächlich ungesund. Zwar hält dann vielleicht die Beziehung länger - aber sie wird auch langweiliger und vor allem unehrlicher. Denn einer der wichtigsten Liebesbeweise zwischen Partnern ist es, sich gegenseitig bei der Selbstverwirklichung zu helfen, ohne sich dabei selbst zu vergessen. Ein Partner, der Sie für sich allein haben und immer seinen Willen durchsetzen will, ist nicht nur egoistisch, sondern einen Kompromiss meist auch nicht wert.

Von Lea-Patricia Kurz