Besonders in Krisen-Situationen, nach kleinen Streitereien oder wenn wir nicht bekommen, was wir uns wünschen, denken wir an das Vergangene zurück, schwelgen in den guten Erinnerungen und fühlen uns danach oft schlecht. Und dabei ist dieses Verhalten eigentlich völlig natürlich…
Es ist zwar nicht immer schön mit der Evolution zu argumentieren, doch auch, wenn der Mensch sich für "zivilisiert" erklärt hat, kann er sich nicht über Schöpfung und Natur erheben - und da spielt der Überlebenstrieb nun mal die allererste Geige. So albern es klingen mag, weil wir nicht mehr der Rauheit der Wildnis ausgesetzt sind: Für ein Überleben ist es von großer Bedeutung, gemachte Erfahrungen abzuspeichern und auszuwerten und neue Situationen in diesen Kontext einzuordnen, also daran zu messen. Es geht um Orientierung, und auf das, was sich bewährt hat, greift man gern zurück.
Wenn Sie sich einmal Ihr Beziehungsleben anschauen, werden Sie feststellen, dass gewisse Muster immer wiedergekehrt sind: Entweder geraten Sie immer wieder an Männer, die Ihren Samariterinstinkt ansprechen, verlieben sich stets in verheiratete Frauen, als stünde es diesen auf die Stirn geschrieben oder finden unter Ihren Verflossenen Menschen mit erstaunlich ähnlichen Charaktereigenschaften. Aufzuschlüsseln, warum genau das so ist, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Fakt ist: Verflossen ist eben nicht gleich verflossen. Und wo sich Ähnlichkeiten finden, liegen Vergleiche nun mal sehr nahe. So denken wir immer wieder an alte Beziehungen oder vergangene Liebschaften - auch - oder gerade - wenn es mal in der Beziehung nicht so gut läuft.
Ein weiterer Aspekt der dazukommt ist die menschliche Tendenz, vor allem positive Erinnerungen parat zu haben. Denken wir also an ehemalige Liebschaften zurück, so werden uns zunächst viele gute Eigenschaften einfallen. Das Negative verdrängen wir gern, es ist zwar parat, aber deutlicher bleibt das Gute und Schöne im Gedächtnis.
Diese beiden Aspekte zusammen - das Ziehen von Vergleichen und die Tendenz, sich eher an das Positive als an das Negative zu erinnern - bringen uns immer wieder in die Situation, dass wir unseren Partner oder unsere Beziehung vergleichen. Verhindern können wir das wohl kaum, aber wie können wir damit umgehen, ohne uns gleich wie die letzten Verräter zu fühlen oder das Gefühl zu haben, unserem Partner Unrecht zu tun?
Zunächst gilt es, diese menschliche Eigenschaft zu akzeptieren. Solange Sie nicht bei jeder Gegenüberstellung die zu Ungunsten Ihres Partners ausfällt, die Beziehung beenden, gibt es auch keinen Grund, sich übermäßig zu verurteilen. Beobachten Sie die gezogenen Vergleiche halb kritisch, halb schmunzelnd und setzen Sie bei notwendigen Entscheidungen auch Ihren Verstand ein! Reflexion und Bewusstheit können eventuelle Kurzschlusshandlungen vermeiden.
Weiterhin tun Sie gut daran, die Vergleiche für sich zu behalten. Nicht nur könnten Sie Ihren Partner tief verletzen, wohlmöglich riskieren Sie - je nach "Schwere" des Vergleichs - tatsächlich Ihre Beziehung. Niemand hört gern, dass der Ex sich nicht rasieren musste, weil er auch mit Bart gut aussah oder die Ex weniger anstrengend war, weil sie nicht so viel geredet hat. Seien Sie also weise und schweigen Sie!

Von Lea-Patricia Kurz