Sie waren doch nicht ganz umsonst: Die Bemühungen unserer Eltern-Generation um die freie Liebe und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Zwar steht die Treue noch immer ganz oben auf der Wunschliste an eine Beziehung, aber die Zeiten, in denen der Mann einen guten Ruf und Ansehen genoss, je mehr Frauen er hatte, sind vorbei. "Flittchen" oder "Schlampe" - diesen Image-Schuh zieht sich die moderne Frau nicht mehr an: Der lockere Umgang mit dem anderen Geschlecht ist längst kein Monopol der Männer mehr.

Eine Umfrage der amerikanischen Restaurantkette T.G.I Friday's ergab, dass eine Single-Frau im Durchschnitt bis zu drei Männer gleichzeitig datet. Doch haben wir es hier nicht unbedingt gleich mit Untreue oder einem falschen Spiel zu tun. Denn ein "Date" im amerikanischen Sinne bleibt noch immer ein streng reglementierter Prozess. Wer wem wann die Telefonnummer gibt, ob der Mann zuerst anruft, wer wann das Küssen initiiert und wann es zum ersten Sex kommt - das alles sind nicht unbedingt allein freie Entscheidungen der beteiligten Partner, sondern unterliegen oft noch ungeschriebenen "Dating rules", in denen der Mann auffällig oft den aktiven Part übernimmt. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, aber wenn von "Date" gesprochen wird, ist in Amerika zunächst nicht gleich von Sex die Rede.

Zwar ist es in Deutschland mit festgesteckten Regeln für ein Treffen nicht ganz so schlimm, aber natürlich gibt es auch hier immer noch Frauen, die der Ansicht sind, dass der Mann sie ansprechen müsse und zumindest beim ersten Treffen ihre Drinks zu bezahlen hätte. Sie selbst hingegen kämen nie auf die Idee, den Herrn einzuladen. In dem Fall kann man wohl kaum von "Gleichberechtigung" sprechen. Im Allgemeinen ist es jedoch hierzulande etwas einfacher wenn es um die Anfänge in der Liebe geht. Solange man nicht in einer festen Beziehung steckt, ist es nicht verwerflich, sich mit mehreren Männern zu treffen. Erst die Definition beider Partner ist ein Versprechen auf Treue, das eben impliziert, sich nicht mit anderen Männern oder Frauen zu treffen.

Unsere Großmütter jedenfalls würden heute sicher fassungslos mit dem Kopf schütteln: Sich mit 1,46 Männern parallel zu treffen wäre in ihrer Generation schon einem Skandal und dem Ruin der gesellschaftlichen Stellung gleichgekommen. Genau diese Zahl hat aber die amerikanische Studie ermittelt. Noch skandalöser: In einem Jahr verschleißt die Single-Frau etwa fünf Männer. Wobei "Verschleiß" doch ein sehr hartes Wort ist, denn den meisten Menschen (egal ob Männern oder Frauen) geht es nach wie vor um die Ernsthaftigkeit einer Beziehung. Und zum Glück ist nicht jeder nach einem misslungenen Date "verschlissen" und unbrauchbar für die Nachwelt. Denn die Zeiten, in denen nur von Wert war, wer jungfräulich und unberührt war, sind für die Frauen zum Glück vorbei - und werden für die Männer hoffentlich nie anfangen. Denn wer heute auf der Suche nach dem richtigen Partner oder der richtigen Partnerin ist, dem kann es genauso passieren, dass er oder sie mit fünf Dates pro Jahr nicht auskommt. Wir hoffen, dass es bei Ihnen schneller geht mit der großen Liebe!

Von Lea-Patricia Kurz