Mit der ewigen Liebe ist nicht unbedingt die klassische Heirat vor Gott oder dem Staat gemeint, sondern einfach der gemeinsame Lebensweg bis ans Ende des irdischen Daseins. Zusammen alt werden - es erscheint wie ein Wunder in einer Zeit, in der die Verfallsdaten menschlichen Miteinanders schneller kommen, als die von Konservendosen und Mineralwasser. Auch das alltägliche Leben zieht seine Bahnen schneller, die Erwartungen an den Einzelnen sind höher und technischer Fortschritt kommt minütlich. Von wem kann man also noch lernen, wie man ein Leben lang liebt?

Ganz einfach - von denen, die es schon vorgemacht haben. Und das ist die Generation 70 plus. Sie hat bewiesen, dass es geht: Ob verflixte sieben Jahre oder die berühmte schwierige Lebensmitte - Sie haben dem Wind des Lebens stets die Stirn geboten und wurden dafür belohnt.

Fragt man diese Paare, die teilweise schon über fünfzig Jahre zusammen sind, so kommen auffällig oft dieselben Antworten:

Vom Ich zum Wir - aber auch umgekehrt
Natürlich soll man den Partner nicht verbiegen und nicht versuchen, sich seinen Traumpartner herbeizudiskutieren. Den Partner so zu lieben, wie er ist, ist eine Grundvoraussetzung für eine lange und stabile Beziehung. Doch das bedeutet nicht, dass man deshalb die Segel streicht, sobald ein scharfer Wind aufkommt - Konflikte sollten ausgetragen werden. Ganz einfach deshalb, damit sie sich nicht im Unbewussten anstauen und zu gegebener Zeit, wenn Midlife-Crisis und Zweifel eh' schon an einem Nagen, erbarmungslos zuschlagen können.

Kommunizieren statt reden

Und zu einem guten "Konflikt-Management", wie es so schön heißt, gehört die Kunst der Kommunikation: Den anderen ausreden lassen, vorwurfsfrei und mit den Formulierungen bei sich bleiben, die eigenen von den Bedürfnissen des anderen trennen, Verantwortung für die eigenen Emotionen auch im Sprechen übernehmen, keine Beleidigungen und vor allem: Zeit. Denn Probleme und Missverständnisse lassen sich nicht zwischen Tür und Angel klären.

Gemeinsam, aber nicht gleichzeitig

Gemeinsam das Leben zu verbringen bedeutet nicht, dass man deshalb die gleichen Prozesse auch zur selben Zeit durchmacht. Älterwerden wird von Mann und Frau ganz unterschiedlich empfunden. Mit den Wechseljahren und der Tatsache, sich täglich mehr vom ewigen Ideal zu entfernen, das ihr Schönheit und Jugend abverlangt, trägt die Frau diesen Prozess oftmals viel körperlicher aus als der Mann. Seine Aufgabe ist es unter anderem damit umzugehen, dass ihm im Beruf die jüngeren den Platz streitig machen und zu erkennen, dass viele seiner sozialen Kontakte über die Frau laufen. Eine Abhängigkeit, die nicht leicht zu tragen ist. Nur weil der Partner einen anderen Prozess durchmacht - oder zu einer anderen Zeit - heißt es nicht automatisch, dass man sich auseinander gelebt hat.

Auf den Punkt gebracht
So erscheint Beziehung ein hartes Stück Arbeit zu sein. Und genau das ist es auch. Doch nach der Arbeit kommt der Lohn - und sich am Ende des Lebens in die faltenverzierten Augen zu schauen und auf ein ereignisreiches, gemeinsames Leben zu blicken, ist jede Arbeit wert. Und vielleicht lässt sich die Weisheit der ewig Liebenden auch mit dem schönen Zitat eines alten Ehepaares zusammenfassen, das nach seinem Geheimnis befragt wurde: "Ganz einfach: Wir kommen aus einer Zeit, als man die Dinge noch reparierte, anstatt sie wegzuwerfen."

Von Lea-Patricia Kurz