Was wäre es doch für eine schöne Vorstellung, ewig Kind sein zu können. Wie oft schielen wir neidisch nach dicken, glücklichen Babys, die sorglos durch die Welt geschoben werden oder ärgern uns über kleine Rotzgören, die frech sind wie nichts Gutes und denen dennoch jeder Verständnis entgegenbringt. Der Freifahrtschein für Schabernack und eine Menge Spaß! "Eltern haften für ihre Kinder" - ja, das waren noch Zeiten. Verantwortung ein Wort, dessen man sich mit einer einfachen Altersangabe entledigen konnte. Ein Zurück dorthin gibt es leider nicht mehr. Wer einmal ausgestiegen ist aus dem Universum der Kindheit, der kehrt dorthin auch nicht zurück. Und dennoch gibt es auch hier die obligatorischen Verweigerer, die gar nicht erst aussteigen (wollen) und manch eine Frau wird jetzt vielleicht heftig mit dem Kopf nicken: Der Mann, das ewige Kind - wie kann frau mit ihm umgehen?

Zuerst hatte es ja etwas Unbeschwertes, das Wochenende im Pyjama bei Chips und Playstation zu verbringen. Sie haben seine Spontaneität und die verrückten Einfälle geliebt und auch über die Comic-Unterwäsche konnten Sie zunächst noch lachen. Aber als Sie zur Hochzeit Ihrer besten Freundin allein gehen mussten, weil sie am Morgen eine SMS von Ihrem Liebsten bekommen haben, mit den Worten "Bin auf den Bahamas - gießt du die Blumen?", kamen Sie doch langsam ins Grübeln.

Denn das Problem am Kind im Manne ist, dass die Verantwortung, die er ablehnt zu übernehmen, letztlich an Ihnen hängen bleibt. Sie werden diejenige sein, die sich irgendwann dabei ertappt, wie sie sein Leben regelt. Und es wird nicht bei den kleinen Entscheidungen bleiben, welche Krawatte er zum Vorstellungsgespräch tragen oder dass er mal wieder seine Mutter anrufen sollte. Auch mit den großen Entscheidungen stehen Sie irgendwann allein da und spätestens, wenn Sie zwei Kalender besitzen - einen für sich selbst und einen für ihn - ist es zu spät.
Natürlich ließe sich argumentieren, dass Sie sich nun einmal in ihn verliebt haben, so wie er ist. Aber es ist nicht die Verliebtheit, die Sie durch ein gemeinsames Leben trägt. Zu einer Partnerschaft gehören Vertrauen, Respekt - und eben auch Verantwortung. Füreinander, aber eben vor allem für sich selbst. Wenn das Gleichgewicht so aus dem Ruder ist, dass einer der Partner verspannte Schultern von der Last bekommt, die er für zwei trägt, hat die Liebe auf Dauer schlechte Karten.

Aus dieser Misere gibt es eigentlich nur einen Ausweg - das kalte Wasser. Lassen Sie sich nicht auf dieses Spielchen ein: Wenn er seinen wichtigen Termin verpasst, dann ist das sein Pech und wenn er in den Tag hineinleben will, dann soll er das tun. Sie selbst können eigentlich nur eines: sich ein bisschen von seinem Egoismus und der Unbeschwertheit borgen und den Rest dem Leben überlassen. Denn auf eine Weise hat er ja Recht: Das Leben ist schon ernst genug und selbst die Psychologie predigt, dass man das Kind in sich bewahren soll. Ein erwachsener Spielverderber ist eben auch nicht das Wahre. Weisen Sie also nicht ihn in seine Schranken, sondern sich selbst in Ihrem Drang, ihn zu bemuttern. Verändern können Sie ihn nicht. Erwachsenwerden ist ein Prozess, dem sich jeder selbst stellen muss. Der eine früher, der andere später.

Von Lea-Patricia Kurz