Vielleicht kommt Ihnen die folgende Situation bekannt vor: Nach aufregenden Wochen des Kennenlernens und Verliebens, in denen Sie dachten, nichts und niemand könnte Sie jemals wieder auf den Boden der grauen Realität zurückholen, haben Sie Ihre neue Liebe auch in Ihrem Umfeld bekannt gemacht. Zitternd vor Aufregung haben Sie die Einladung Ihrer Eltern zum Mittagessen angenommen und das betretene Schweigen kurz nach der Vorspeise bereitete Ihnen erstes Unbehagen. Als sich dann auch noch Ihre Kumpels beim gemeinsamen Bierchen mit hochgezogenen Augenbrauen viel sagende Blicke zuwarfen, bekamen Sie langsam eine Ahnung: Ihr neuer Partner oder Ihre neue Partnerin kommt weder bei Ihren Freunden noch bei Ihrer Familie gut an.

Der erste Gedanke ist natürlich immer: "Hauptsache ich liebe meinen Schatz!" Doch das Unbehagen bleibt und im schlimmsten Fall verstärkt es sich sogar noch. Je nach Grad der Abneigung kann es passieren, dass es angenehmer ist, eine Einladung zum Spiele-Abend oder zum Familientreffen abzuschlagen, als sich der hinuntergeschluckten Antipathie erwehren zu müssen, die unausgesprochen, aber dennoch spürbar, im Raum steht. Und mit der Zeit wird sich vielleicht das Gefühl einschleichen, dass Sie sich entscheiden müssten zwischen Ihrem Partner und Ihrem Umfeld.

Atmen Sie an dieser Stelle einmal tief durch! Sicher, nichts wäre schöner, als wenn jeder harmonisch mit jedem könnte. Es kränkt natürlich auch, dass die Menschen, die Ihnen lieb und teuer sind, anscheinend wenig empfänglich sind für das, was Ihren Partner ausmacht und in das Sie sich verliebt haben. Ganz besonders schlimm wird es natürlich, wenn aus der Antipathie offener Streit wird und sich die Fronten auch noch verhärten. Da kann man dann schon mal verzweifeln.

Doch wenn es je einen Fall gab, für den der Rat "Ruhe bewahren!" goldrichtig war, dann so einen. Denn falsch wäre es wohl, sich tatsächlich zwischen den beiden Parteien zu entschieden oder von der Streitlust mitreißen zu lassen. Besinnen Sie sich immer auf eins: Sie selbst haben nicht das Problem. Es sind die Menschen, die Ihnen etwas bedeuten, die nicht miteinander klar kommen, aber mehr, als den Versuch zu vermitteln, können Sie kaum unternehmen. Lassen Sie sich weder die Pistole auf die Brust setzen, noch vor die Wahl stellen. Es erfordert viel Kraft und auch Reflexion, sich nicht den Stürmen der Emotionen hinzugeben. Doch sich auf Fairness und größtmögliche Neutralität zu berufen - und auch die Streithähne immer wieder in die entsprechenden Schranken zu verweisen - wird langfristig der bessere Weg sein. Zwar werden Sie vielleicht kein gemeinsames Weihnachtsfest mit der Familie haben oder den Stammtisch ohne Ihren Partner besuchen, aber auch hier gilt: Lassen Sie sich nicht beirren. Es wird ein Akt der Kompromisse, aber dann gehen Sie eben nur einmal im Monat zum Stammtisch und statt Weihnachten dann zum Osterfest wieder nach Hause.

Und falls die Situation zu eskalieren droht und eine Seite von Ihnen Stellungnahme fordert, überdenken Sie eines: Jemand, der von Ihnen verlangt, einen geliebten Menschen zu verstoßen und das Ganze auch noch als Loyalität bezeichnet, hat von tatsächlicher Loyalität wenig Ahnung. Ein echter Freund wird Sie niemals zu einer solchen Entscheidung drängen, sondern sich immer um Verständnis bemühen - Ihnen zuliebe!

Von Lea-Patricia Kurz