Das, was die Liebe groß macht, ist ihre Einmaligkeit und dass sie sich immer wieder aufs Neue erfindet. Keine Liebe gleicht der anderen - und diese Einzigartigkeit ist es, die selbst die unkreativsten Menschen zu ausgefallenen Ideen beflügelt, wenn es darum geht der Liebe Ausdruck zu verleihen. Eine besonders schöne Form ist der Liebesbrief. Auf Papier geschrieben, per Hand eingetütet und in seinem Inhalt atemberaubend. So etwas fällt einfach auf zwischen der unpersönlichen, digitalen Kommunikation, die unseren Alltag beherrscht. Da ist so ein "echter" Brief wie ein Innehalten im Sturm der täglichen Informationsflut aus Mails, Rechnungen, Spam und Werbung. Aber wie schreibt man so einen Liebesbrief eigentlich?

Der Inhalt
Zunächst einmal müssen Sie sich überlegen, was Sie mit Ihrem Liebesbrief bezwecken wollen. Möchten Sie Ihrem Partner zum Jahrestag damit einen außergewöhnlichen Rückblick auf die gemeinsamen Jahre schenken oder ist er einfach nur ein spontaner Ausdruck ihrer Liebe, mit dem Ihr Schatz wahrscheinlich gar nicht rechnet? Vielleicht ist der Brief aber auch Ihre schöne Idee, Ihre Liebe jemandem zu gestehen, der davon noch keinen blassen Schimmer hat?
In jedem Fall ist ein Liebesbrief etwas Positives, eine Liebeserklärung der besonderen Art, die ihren guten Willen durch den Aufwand zeigt, dessen es bedarf, um diese Zeilen der Liebe zu Papier zu bringen. Kritik ist hier nicht angebracht, denn Ihr Brief soll dem Adressat Vergnügen bereiten und ein Geschenk an ihn sein. Vermeiden Sie also Sticheleien und dunkle Gefühle. Wenn Sie einen depressiven Tag haben, schreiben Sie den Brief zu einem späteren Zeitpunkt.

Der Stil
Sie dürfen ausnahmsweise mal egozentrisch sein: Es geht zwar um Ihren Liebsten, aber vor allem geht es um die Gefühle, die er oder sie in Ihnen auslöst und die Sie zum Erzittern bringen. Beschreiben Sie diese Emotionen, die zu den tiefsten gehören, zu denen ein Mensch fähig ist. Machen Sie Ihren Schatz fühlen, was Sie fühlen - aber hüten Sie sich vor Floskeln! "Das Funkeln der Sterne in deinen Augen" ist nicht nur abgedroschen, sondern lässt auch hartgesottene Liebesfilmschauer flüchten. Ein Liebesbrief lebt durch Echtheit, Sie dürfen also ruhig Sie selbst sein.

Die Dramaturgie
Die ist ausnahmsweise einmal zu vernachlässigen, denn beim Schreiben von Liebesbriefen ist die Authentizität die oberste Prämisse! Fragen Sie sich einfach, was die Kernaussage Ihres Briefes ist, und versuchen Sie, einleitend darauf hinzuarbeiten. Wenn Sie nicht wissen, was Sie schreiben sollen, ist es genau die Tatsache, dass Sie es dennoch versuchen, die einen Liebesbrief unvergesslich machen kann: Sprechen Sie es also aus. Schreiben Sie, dass Sie sich mit Worten schwer tun, aber dass es Ihnen dennoch ein Anliegen ist, Ihre Liebe schriftlich auszudrücken. Die Flucht in die Meta-Ebene ist ein alter Schreiber-Trick - Sie werden sehen, auf einmal fließt es von allein.

Die Form
Absolutes No-Go sind Parfüm und rosa Briefpapier! Wenn Sie nicht gerade auch im Alltag der blumige Typ sind, nehmen Sie großen Abstand davon.
Ebenfalls untragbar sind orthographische Pannen und mit dem Computer verfasste Liebeszeilen. Sie vermitteln schließlich nicht nur emotionale Informationen, nein, Sie schaffen ein Kunstwerk, das seinen festen Platz mit Sicherheit nicht nur im Herzen Ihres Partners finden, sondern immer wieder zur Hand genommen werden wird. Und ein solches gibt es nur im Original. Natürlich können Sie den Brief auf dem Computer vorformulieren, bevor Sie ihn dann schön säuberlich mit Füller und Tinte abschreiben. Aber Bequemlichkeit und wenig Zeit sind keine Argumente - ein Liebesbrief lebt von der Intimität der Handschrift. Und vor allem bleibt er für die Ewigkeit. Überlegen Sie also gut, was Sie daraus machen.

Von Lea-Patricia Kurz