Es ist schon schlimm genug nach einer durchzechten Nacht von einem dicken Schädel begrüßt zu werden. Was aber, wenn man sich zur Seite dreht und mit Schrecken feststellen muss, dass neben einem nicht der oder die Liebste liegt, sondern ein fremder Mann oder eine unbekannte Frau? Dann kommt langsam das große Erwachen, und wenn Sie vorsichtig die Bettdecke lupfen, bestätigen sich Ihre schlimmsten Ahnungen: Sie sind fremdgegangen.
Die Angst ihren Partner zu verlieren, wird ab da wahrscheinlich minütlich steigen. Doch gilt es nun, einen kühlen Kopf zu bewahren. Beichten oder verschweigen? Ist es tatsächlich ratsam, die Beziehung für ein einmaliges Abenteuer zu riskieren? Ist der Schaden, den Sie damit anrichten, nicht viel größer als der Bonus, den Sie vielleicht für Ihre Ehrlichkeit bekommen? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Denn es mag absurd klingen, aber es gibt immer wieder Paare, die gerade nach einem Vertrauensbruch auf eine engere Weise wieder zueinander finden.
Denn nicht immer ist der Alkohol schuld, wenn Seitensprünge passieren. Auch die Krise der eigenen Beziehung, der Reiz des Verbotenen oder einfach eine Kurzschluss-Reaktion können Ursachen eines Seitensprungs sein. Eigentlich auch egal, werden Sie sagen, was geschehen ist, ist geschehen - was ändert es da noch, wenn man den Grund kennt? Eine Menge! Denn ob Sie vorhaben, es Ihrem Schatz zu sagen oder das Geheimnis mit ins Grab nehmen: Sie wollen sicher nicht, dass das noch einmal passiert. Und damit Sie diesen Vorsatz erfüllen können, müssen Sie die Ursachen dieses Ausrutschers kennen.
Aber auch, wenn Sie es beichten möchten: Sie sollten es wenigstens erklären können. Denn nur dann haben Sie eine Chance, diesen Riss im Vertrauen Ihres Partners wieder zu kitten. Denn wenn Sie überzeugt sind vom klassischen Beziehungsmodell mit Treue, dann muss es einen handfesten Grund gegeben haben, dass Sie Ihre eigenen Werte verraten haben.
Und eigentlich findet sich auch hier schon die Antwort auf die Frage: "Reden oder schweigen?". Denn wenn Sie eigentlich hinter dem Versprechen auf Treue stehen, sollten Sie ebenfalls dazu stehen, wenn Sie diesem Wert untreu geworden sind. Alles andere wäre ein Widerspruch in sich, denn Treue bezieht sich nicht nur auf das Körperliche, sondern auch auf das "Ja" zu einem Partner und dem gelebten Modell. Sie sollten in diesem Fall also ehrlich sein und die Konfrontation in Kauf nehmen. Aus der Angst zu lügen, dass man jemanden wegen eines Seitensprungs verlieren könnte, ist keine feine Sache. Ihre Beziehung würde ab dem Zeitpunkt einen Weg einschlagen, der nicht der Wahrhaftigkeit und den Tatsachen entspricht - denn vielleicht hätte sich Ihr Partner gegen Sie entschieden. Es wäre sein gutes Recht.
Wer klassisch liebt sollte also auch genug Rückgrat haben, zu diesem Treue-Bekenntnis zu stehen.
Stehen Sie aber - vielleicht noch, ohne es sich eingestehen zu können - eigentlich auf dem Standpunkt, dass der Mensch nicht für die Monogamie gemacht ist, können Sie natürlich schweigen. Allerdings werden Sie dann weiterhin in einer Beziehung leben, die nicht Ihrem tatsächlichen Wesen entspricht - und mit einem Partner, der eigentlich gar nicht zu Ihnen passt. Es gibt Menschen, die für andere Modelle offen sind. Man muss Sie nur finden.
Auch in diesem Fall lautet der Rat: Beichten Sie den Seitensprung! Im schlimmsten Fall trennt sich Ihr Partner, und so weht das auch tut, aber vielleicht kommen Sie dadurch sich selbst etwas näher und finden langfristig einen Menschen, der Ihre Werte teilt.
Im besten Fall entpuppt sich dieser Seitensprung aber auch als eine Art Offenbarung: Vielleicht hat auch der Mensch an Ihrer Seite nach einem Wert gelebt, den er oder sie nicht zu hundert Prozent für sinnvoll gehalten hat. Aber "man liebt ja so" - das ist noch immer eine gängige Meinung, die Grundlage vieler Seitensprünge ist.
Seien Sie also mutig und stehen Sie zu dem, was passiert ist! So oder so werden Sie langfristig daran wachsen.

Von Lea-Patricia Kurz