Die meisten Menschen sind nach wie vor auf der Suche nach einer dauerhaften Partnerschaft, und vielen gelingt es auch, gemeinsam alt zu werden. Dass dies auch erst im zweiten oder dritten Anlauf der Fall sein kann, ist für ältere Singles zumindest ein kleiner Trost. Denn nur weil viele "vom Markt sind", heißt dass eben nicht automatisch, dass die Singles in ihrer Altersklasse nur noch die ungeliebten "Restposten" sind. Das Leben ist schnell geworden, weniger starr in Konventionen und Werten, und man bleibt heute nicht mehr aus "Prinzip" zusammen. Manchmal passt es eben nicht und man macht sich erneut auf die Suche.

Doch eben weil man mit über fünfzig vielleicht lange liiert war, kann die Überraschung groß sein, wenn man sich dann wieder auf die Suche machen muss: Denn längst hängt die Partnersuche nicht mehr nur von der eigenen Persönlichkeit ab, sondern seit über einem Jahrzehnt auch von der technischen Affinität. Wo man sich früher beim Tanzkurs, im Sportclub oder unter Freunden nach potentiellen Lebenspartnern umsah, wird der erste Eindruck, der über Sympathie oder Antipathie entscheidet, heute schwerpunktmäßig virtuell getroffen. Wer nicht berufsbedingt oder aus Interesse von Anfang an in der Welle der Alltags-Digitalisierung mitgeschwommen ist, steht vielleicht erstmal auf dem Schlauch.

Für die betagtere Generation gibt es hier spezielle Online-Kurse, in denen man beinahe spielend an dieses ungewohnte Medium herangeführt wird. Auch Kinder und Enkel helfen meist gern. Hat man sich dann aber erstmal eingearbeitet und beherrscht Sprache und Blick in der Virtualität, tun sich durch das Alter auf einmal einige Vorteile auf: Denn wer die reifere Hälfte des Lebens erreicht hat, hat meist ebenso reife Vorstellungen von dem, was er will und was er nicht will. Die Partnersuche im Internet ist hierfür nahezu ideal: Ausgefeilte Suchkriterien erscheinen nahezu paradiesisch: Wer zum Beispiel aus einer schmerzhaften Erfahrung mit einem alleinerziehenden Partner kommt, kann dieses Kriterium ohne weiteres ausklammern, auch Region und Bildungsstand lassen sich angeben.

Schließlich gilt aber auch hier wie bei fast allem: Weniger ist manchmal mehr. Denn auch auf der eigenen Reife kann man sich leider nicht ausruhen. Sie wird erst dann zu einem Hilfsmittel, wenn man bereit ist, sich auch weiterhin überraschen zu lassen. Flexibilität in den eigenen Auswahlkriterien ist unabdingbar, denn kein Mensch passt in ein Profil. So sollten Sie Ihre Kriterien nicht zu eng schnüren. Lassen Sie auch mal fünf gerade sein und verschieben Sie die Altersgrenze nach oben oder unten. Ein Mensch ist meist nicht so alt wie der Personalausweis sagt, sondern so weise, wie seine Erfahrungen und seine Beschaffenheit es zulassen. Es mag sicher Kriterien geben, die für Sie ohne Kompromisse Gültigkeit haben - wenden Sie zunächst diese an und schauen Sie, was kommt.

Doch auch ihr eigenes Profil kann wie ein Filter wirken. Durch eigene Texte und Beschreibungen, aber auch durch das Foto, lässt sich schon signalisieren, welchen Typ Mensch man selbst sucht. Wer also ein wahrer Outdoor-Fan ist oder Extremsportarten frönt, tut vielleicht gut daran, ein entsprechendes Foto von sich in das eigene Profil zu stellen - anstelle eines Bildes im Anzug oder Abendkleid. Auch, wenn Ihnen letzteres Bild vielleicht mehr schmeichelt. Denn auch das ist ein Vorteil des Alters: Die Optik hat einen gesunden Stellenwert bekommen, und der liegt nicht mehr vor sondern hinter der Authentizität!

Von Lea-Patricia Kurz