"Schau mir in die Augen, Kleines!" Sie haben sich sicher auch schon oft Gedanken gemacht, wie Sie eine Frau von Ihren Qualitäten überzeugen – vielleicht, weil Sie auf der Suche nach einer Partnerschaft sind oder aber, weil Sie einer wunderbaren Nacht nicht abgeneigt wären. Es gibt in diesem Fall viele Tricks, derer sich Ihre Geschlechtsgenossen bedienen: Ein neues Aftershave, ein tolles Outfit, ein unwiderstehliches Lächeln oder ein glatt rasiertes Kinn. Männer sind da durchaus einfallsreich - und haben sogar bei den Damen abgekupfert: So haben Sie sich im Laufe der Zeit eines Phänomens bedient, für das sie selbst sonst den Frauen zu Füßen liegen: Der Schlafzimmerblick. Ein berühmter Vertreter ist wohl Jake Gyllenhaal, der damit in seiner Rolle im Schwulen-Drama "Brokeback Mountain" sogar einen Vertreter des eigenen Geschlechts von sich überzeugte. Aber auch andere Prominente nutzen diesen Blick gezielt, um ihre Rollen zu charakterisieren oder sich in Szene zu setzen.
Doch, Vorsicht! Eine amerikanische Studie hat jetzt herausgefunden, dass dieser Blick alles andere als erotisierend auf Frauen wirkt. Er erregt zwar, aber nicht die Lust sondern eher das Misstrauen der Damen. Also doch eher ein Liebestöter als ein Aphrodisiakum?
Durchgeführt wurde dieser Test an der Universität in Michigan mit 400 Probandinnen. Bei dem Versuch wurden ihnen jeweils zwei Bilder von attraktiven Männern gezeigt - einmal mit offenem und einmal mit leicht geschlossenem Blick. Die Frauen sollten danach entscheiden, welchen der beiden Herren Sie als Heiratskandidaten beziehungsweise Vater ihrer Kinder wählen würden. Überzeugende 71 Prozent der befragten Damen entschieden sich gegen den erotisierenden und für den offenen, weniger sexuell angehauchten Blick.
Die Forscher erklärten dieses Phänomen mit evolutionären Gründen: So würden halb geschlossene Lider zwar auf sexuelle Reife hinweisen, der wache Blick hingegen vermittle Aufmerksamkeit und Jugendlichkeit. Und wenn Sie ganz ehrlich sind, dann kann diese Art des Schauens auch noch ganz andere Assoziationen hervorrufen als nur sexuelle: Denn auch Betrunkene schauen in ähnlicher Weise drein, wenn sie lallend versuchen, das schwankende Zimmer zu fokussieren. Keine schöne Vorstellung!
Und noch ein Aspekt drängt sich auf: Die Frage, woher der Ausdruck "Schlafzimmer" in dieser Wort-Kombination kommt, war nicht Bestandteil der Untersuchung. Es wäre allerdings nicht so abwegig zu behaupten, dass es dabei keinen schlüpfrigen Hintergrund gibt. Im Gegenteil - der Schlafzimmerblick könnte seinen Namen auch daher haben, dass dieses Phänomen bei besonders großer Müdigkeit auftritt. Dann nämlich, wenn die Muskeln des Oberlides erschlaffen und das Lid sich langsam zu senken beginnt.
Setzen Sie den Schlafzimmer-Blick also nur ein, wenn Sie die Frau Ihres Herzens bereits erobert haben. Dann könnte es tatsächlich als erotisierend interpretiert werden, wenn Sie Ihrer Partnerin verliebt und verlangend in die Augen schauen. Und falls nicht, werden Sie im schlimmsten Fall schräg angeschaut. Ansonsten gilt: Einer noch zu erobernden Dame begegnen Sie besser mit offenen Augen und wachem Blick. Ansonsten könnte es Ihnen passieren, dass Sie als Langweiler - oder noch schlimmer - gar als Gelangweilter gesehen werden. Und damit punkten Sie garantiert nicht!

Von Lea-Patricia Kurz